Donnerstag, 22. Juni 2017

2. Sonntag nach Trinaitatis - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 25.06.2017

Abgestellter Kühllaster in Österreich, August 2015

Die Einladung (Die Einladung der Völker)


Wochenspruch: Mt 11, 28:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (LUT)
„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 36:
Die Quelle des Lebens
Es sinnt der Sünder auf Frevel / im Grund seines Herzens, er kennt kein Erschrecken vor Gott. Er schmeichelt Gott vor dessen Augen und findet doch seine Strafe für seinen Hass. Seine Worte sind falsch und erlogen, verständig und gut handelt er nicht mehr. Er trachtet auf seinem Lager nach Schaden und steht fest auf dem bösen Weg und scheut kein Arges. HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes / und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren. Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Breite deine Güte über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit über die Frommen. Lass mich nicht kommen unter den Fuß der Stolzen, und die Hand der Frevler vertreibe mich nicht! Da sind gefallen die Übeltäter, sind gestürzt und können nicht wieder aufstehen. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 25.06.2017 ist aus „Psalm 88,11-12: Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken? Wird man im Grabe erzählen deine Güte und deine Treue bei den Toten?“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage findet sch in dieser Wortumgebung wieder:
Psalm 88: Gebet in Verlassenheit und Todesnähe
HERR, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir. Lass mein Gebet vor dich kommen, neige deine Ohren zu meinem Schreien. Denn meine Seele ist übervoll an Leiden, und mein Leben ist nahe dem Totenreich. Ich bin denen gleich geachtet, die in die Grube fahren, ich bin wie ein Mann, der keine Kraft mehr hat. Ich liege unter den Toten verlassen, wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen, derer du nicht mehr gedenkst und die von deiner Hand geschieden sind. Du hast mich hinunter in die Grube gelegt, in die Finsternis und in die Tiefe. Dein Grimm drückt mich nieder, du bedrängst mich mit allen deinen Fluten. Meine Freunde hast du mir entfremdet, du hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich liege gefangen und kann nicht heraus, mein Auge vergeht vor Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich; ich breite meine Hände aus zu dir. Wirst du an den Toten Wunder tun, oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken? Wird man im Grabe erzählen deine Güte und deine Treue bei den Toten? Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens? Aber ich schreie zu dir, HERR, und mein Gebet kommt frühe vor dich: Warum verstößt du, HERR, meine Seele und verbirgst dein Antlitz vor mir? Ich bin elend und dem Tode nahe von Jugend auf; ich erleide deine Schrecken, dass ich fast verzage. Dein Grimm geht über mich, deine Schrecken vernichten mich. Sie umgeben mich täglich wie Fluten und umringen mich allzumal. Meine Freunde und Nächsten hast du mir entfremdet, und mein Vertrauter ist die Finsternis. (LUT)

Kommentar:
  • „An diesem Sonntag steht die Parabel vom großen Abendmahl (Lk 14, 15-24) im Mittelpunkt der Verkündigung. Siehe dazu die ausführliche Darstellung und Interpretation von Luise Schottroff (2007): Von der Schwierigkeit zu teilen (Das große Abendmahl). In: Zimmermann: Kompendium der Gleichnisse Jesu. 593-603. Hier geht es „um das messianische Mahl als Vision der Gerechtigkeit unter Menschen“ (601). Jede Parabel harrt auf Antwort. Die Frage lautet: „Wie wirst Du fortan Gerechtigkeit in deinem Leben walten lassen?“ Diese Frage ist aktueller denn je! Unsere Antworten sind existentiell!
  • Die Auswahl der Predigtgrundlage wird durch die NAK so begründet: „Der letzte Sonntagsgottesdienst im Juni dient zur Vorbereitung auf den Gottesdienst für Entschlafene. Dabei soll deutlich werden, dass Christus der Herr über Lebende und Tote ist. Dank seines Opfertods dürfen Seelen aus der jenseitigen Welt erkennen, dass auch im Tod noch Wunder der Liebe Gottes erfahrbar sind – nämlich Leben im Geist. Durch Jesus Christus ist die Sakramentsspendung an Lebende und Tote möglich“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 6/17, 3).

Auch hier wird das messianische Mahl beleuchtet und soll im Mittelpunkt der Verkündigung stehen. Allerdings wird es jenseitig auf die bereits Verstorbenen hin interpretiert, um so die Sonderlehre vom sogen. „Entschlafenenwesen“ der NAK zu begründen und zu rechtfertigen (siehe dazu KNK, Kap. 9.6 „Hilfe für Entschlafene“).

Hierzu ist jedoch der ausgewählte Psalm gänzlich ungeeignet. Ps 88 wird von Zenger als „Theodizeeklage“ charakterisiert. Es handelt sich um die persönliche Anklage eines Menschen an Gott. Er macht Gott für die „unbegreifliche chaotische Lebensbedrohung“ verantwortlich. Gleichzeitig hält der Beter in tiefster Not daran fest, „dass Gott dieser Not ein Ende setzen muss und wird.“ Dabei sind die Fragen als rhetorisch zu verstehen und als Appell gemeint. Zenger weist darauf hin, dass dadurch die Widersprüchlichkeit eines Menschen spürbar wird, der eigentlich zutiefst vertrauensvoll seinen Gott loben will (Zenger, 1980, 233f).

Denken wir an die 71 Menschen, die 2015 qualvoll in einem Kühllaster verendet sind. Jeder einzelne ist ein Grund den Menschen und Gott diesen Psalm entgegen zu schreien. Die Schreie der erstickenden Menschen und unsere Anklage gehört heute in den Mittelpunkt der Predigt: „Entfernt hast du mir Geliebte und Gefährten, meine Vertrauten - Finsternis. Warum, Herr, verbirgst du vor mir dein Antlitz? (GSB, Psalm 88, 19 und 15).

Sonntag, 18. Juni 2017

1. Sonntag nach Trinaitatis - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 18.06.2017


Apostel und Propheten


Wochenspruch: Lk 10,16:
„Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (LUT)
„Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 34:
Unter Gottes Schutz
Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren. Wer ist's, der Leben begehrt und gerne gute Tage hätte? Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. Das Antlitz des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde. Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird. Den Frevler wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 18.06.2017 ist aus „2. Korinther 3,3: Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des leben­digen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen.“ (LUT1984)

NGÜ überträgt diese Stelle so: Ja, es ist offensichtlich, dass ihr ein Brief seid, den Christus selbst verfasst hat und der durch unseren Dienst zustande gekommen ist. Er ist nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, und die Tafeln, auf denen er steht, sind nicht aus Stein, sondern aus Fleisch und Blut; es sind die Herzen von Menschen. (NGÜ)

Kommentar:
„Mit diesem Sonntag beginnt die lange Reihe der Sonntage nach Trinitatis. Kalendarisch hängen sie vom Ostertermin ab, inhaltlich entfalten sie das Evangelium auf vielfältige, durchaus unterschiedliche Weise. Die Rede von der ›festlosen Zeit‹ des Kirchenjahres verkennt freilich, dass jeder Sonntag ein ›kleines Osterfest‹ ist und das Geschenk neuen, österlichen Lebens das Generalthema bildet, von dem her die anderen Glaubens- und Lebensthemen überhaupt erst sinnvoll behandelt werden können. Ausgangspunkt der Auslegungen ist dabei stets das Doppelgebot der Liebe. Die alttestamentliche Lesung zitiert das "Höre, Israel!" (Schma Jisrael; hebräisch שְׁמַע יִשְׂרָאֵל Sch'ma Jisrael, Schᵉma Jisrael oder kurz Sch'ma). Dies ist der zentrale Bestandteile des täglichen Gebets im Judentum. Der Sch'ma-Ausdruck umfasst die monotheistische Essenz des Judentums und den Zentralkontext der Tora, in welchen die Kernbotschaft der Nächstenliebe gebettet ist: „Höre Jisrael! Adonaj ist für uns Gott, einzig und allein Adonaj ist Gott“ (Dtn 6, 1-10).

  • Im Mittelpunkt des heutigen Sonntags steht die Parabel vom reichen Mann und armen Lazarus, die als Evangelium diesen Sonntag ›regiert‹ (Lk 16,19-31). Siehe dazu Jutta Leonhardt-Balzer (2007): Wie kommt ein Reicher in Abrahams Schoß (Vom reichen Mann und armen Lazarus). In: Zimmermann: Kompendium der Gleichnisse Jesu, 647-660. Die alttestamentliche Lesung zitiert das Schema, das Grundbekenntnis Israels“ (Quelle: Bieritz: Der Gottesdienst im Kirchenjahr - Gemeindedienst der EKM. www.gemeindedienst-ekm.de/attachment/.../ bieritz_kirchenjahr.pdf).
  • Die Auswahl der Predigtgrundlage für die Gottesdienste in der in NAK wird so begründet: „Im dritten Sonntagsgottesdienst des Monats wird deutlich, dass Kirche und Heiliger Geist zusammengehören. In den von Aposteln geleiteten Gemeinden ist der Heilige Geist dauerhaft gegenwärtig. Die Gemeinde des Herrn ist ein ‚Brief Christi‘, weil sie das Wirken Gottes durch den apostolischen Dienst bezeugt und sich durch das Apostolat auf die künftige Aufgabe vorbereiten lässt: als Priester Gottes und Christi die Frohe Botschaft allen Menschen zu verkündigen“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 6/17, 3).

"Empfehlungsbriefe auszustellen war in der Antike ein weit verbreiteter Brauch. Ihr Grundmuster sieht so aus: (a) Die persönliche Tüchtigkeit des Überbringers wird herausgestellt, ebenso (b) seine besondere Beziehung zum Briefschreiber und zugleich wird (c) erinnert an das Band der Freundschaft zwischen Autor und Adressat" (Klauck, 1986, 34).
"Briefe können Gottesworte enthalten und vom Himmel gesandt sein. Die Offenbarung versteht sich als von Christus diktierter Brief. In der Auseinandersetzung mit den GegnerInnen im 2. Kor., die Paulus vorwerfen, mangels Empfehlungsbrief keinen Ausweis seiner Autorität zu besitzen, nennt Paulus die gemeinde 'unseren Brief' und charakterisiert sie als Himmelsbrief" (Schorch & Standhartinger (2009), 68. In: Crüsemann: Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel. Sichwort: "Brief").

In der zitierten Stelle gehen diese Aspekte durcheinander. Eine Kommunikation besteht aus einer Nachricht von einem Sender an einen Empfänger. Hier wird nun noch zusätzlich ein Bote zwischengeschaltet. Als Sender wird Gott selber bezeichnet. Die Nachricht ist die Gemeinde und der Bote Paulus. Als Empfänger werden "die GegnerInnen" bezeichnet. Andererseits ist Paulus der Schreiber und der Bote in einer Person und die Gemeinde der Empfänger. Was ist denn aber die Nachricht an die Gemeinde? Paulus Betonung, dass es nicht um ihn selber gehe (Kap. 3, Vers 1), scheint dann auf das genaue Gegenteil hinzudeuten. Paulus ringt um die eigene Autorität.
Ich verstehe diese Stelle so: Sender ist Gott, die Nachricht ist die aktive Nachfolge Christi im Dienst am Nächsten und so in der Erfüllung des Doppelgebotes der Liebe. Die Betonung des Gebotes ist gleichzeitig ein Rückgriff auf die Tradition und eine Erinnerung an die Tora und das Sch'ma Israel. Die Nachricht ist also etwas dynamisches nichts statisches und zeigt sich in Gemeindegründungen und -wachstum. Nachricht und Empfänger sind reziprok und machen diese Energie aus. Teil dieser Tatkraft ist auch der Bote. Diese Lebendigkeit ist das Ostern im Hier und Jetzt.

Sonntag, 11. Juni 2017

Trinaitatis - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 11.06.2017


Der dreieinige Gott

Wochenspruch: Jes 6, 3:
„Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.“ (LUT)
„Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. / Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 145, 1-13:
Ein Loblied Davids
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich. Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich. Der Herr ist groß und sehr zu loben, und seine Größe ist unausforschlich. Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen. Sie sollen reden, von deiner hohen, herrlichen Pracht; deinen Wundern will ich nachsinnen. Sie sollen reden von deinen mächtigen Taten, und ich will erzählen von deiner Herrlichkeit; sie sollen preisen deine große Güte und deine Gerechtigkeit rühmen. Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke. Es sollen dir danken alle deine Werke und deine Heiligen dich loben und deine Heiligen dich loben und die Ehre deines Königtums loben und von deiner Macht reden, dass den Menschenkindern deine gewaltigen Taten kundwerden und die herrliche Pracht deines Königtums. Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für. Der Herr ist getreu in all seinen Worten und gnädig in all seinen Werken. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 11.06.2017 ist aus „Lk 3, 21-22: Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage der NAK beschreibt die Taufe Jesu nach dem EvLk. Sie hat Parallelstellen in EvMt 3, 13-17 und EvMk 1, 9-11. Matthäus stellt einen Dialog mit Johannes vorweg, in der dieser sich zunächst weigert, Jesu zu taufen. Markus beginnt sein Evangelium mit der Taufe Jesu. Allen drei Stellen ist gemeinsam, dass Gott der Vater sich dem Sohn zuwendet und sein Wohlwollen („Wohlgefallen“) ihm gegenüber ausdrückt.

Kommentar:
Die Trinitätslehre bewegt sich zwischen diesen Polen: sie wird einerseits als „identitätsstiftende Grundfigur“ und „Rahmentheorie des christlichen Glaubens“ angesehen und andererseits mitunter auch innerchristlich als „überholtes Relikt“ bezeichnet. Aus diesem Grund bedarf es ihr gegenüber immer wieder einer kritischen Bestandsaufnahme und plausiblen Begründung (Hilberath & Nitsche (2005): Trinität, 360. In: Neues HB theologischer Grundbegriffe, Bd IV, 360-375).
  • Die Lesetexte für das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit / das Trinitatisfest zeigen die Schwierigkeit, das Trinitätsdogma aus biblischen Texten zu begründen. Alttestamentliche Lesungen sind die Gottesbegegnung Mose auf dem Sinai oder die Rede Mose an das Volk. Neutestamentliche Lesungen sind 2 Kor 13, 11-13, der Missionsbefehl oder die Verheißung des Heiligen Geistes durch Jesus.
  • In den evangelischen Gottesdiensten liest man Röm 11, 32-36 oder Jesu Gespräch mit Nikodemus.
  • In der NAK ist die Taufbegebenheit nach dem Lukasevangelium Predigtgrundlage: „Der Sonntag nach Pfingsten ist der heiligen Dreieinigkeit gewidmet (Trinitatis) gewidmet. Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes ist die Selbstoffenbarung Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist abgeschlossen. In diesem Gottesdienst wird aufgezeigt, dass bei der Taufe Jesu Gott sein dreieiniges Wesen offenbart und Gott, der Vater, sein Wohlgefallen an Jesus bekundet hat. Gott hat auch an uns Wohlgefallen, wenn wir an ihn, den Dreieinigen glauben“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 6/17, 3). 
Die Heterogenität in der Auswahl der Predigttexte resp. der Lesungen unterstreichen „die Schwierigkeit, das Trinitätsdogma aus biblischen Texten zu begründen“ (Bieritz, 2014, 252. Ausführlich 250-252).

Entscheidendes Merkmal der Singularität Gottes im AT ist die geschichtlich-dynamische Selbsttreue JHWHs, die neutestamentlich als „Urereignis der Liebe und als ihrer Vollendung“ gefasst wird (Hilberath & Nitsche (2005): Trinität, 368. In: Neues HB theologischer Grundbegriffe, Bd IV, 360-375). Die Selbsttreue JHWHs und die Beziehung zu den Menschen lebt in den Spannungen Heiligkeit vs. Berührbarkeit und Weltüberlegenheit vs. Lebensnähe. „Dabei registriert christliche Trinitätstheologie aufmerksam die Tendenz, bestimmte Vermittlungsgestalten göttlicher Präsenz (Wort, Weisheit, Geist) eine gewisse Eigenwirklichkeit verleihen, ohne die Souveränität und Singularität JHWHs anzutasten“ (ebenda, 362).

Die Trinität kann metaphorisch als Aggregatzustände, Aktivitäts- oder Bewußtseinszentren, Instanzen, Personen oder Subjekte des einen Gottes begriffen werden. Trinität benötigt und befördert in der praktischen Konsequenz eine „multipolar-reziproke Dialogizität“ (ebenda, 373), was meines Erachtens nichts anderes bedeutet, als dass Gott wie der Mensch zwischen Individualität und Sozialität, Selbst- und Nächstenliebe oszilliert. Gott kann sozialpsychologisch als Individualsystem mit dem Steuerungsziel der Identitätswahrung begriffen werden (vergl. dazu ausführlich, Witte (1989): Lehrbuch der Sozialpsychologie, 350-352).

Samstag, 3. Juni 2017

Pfingssonntag - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 04.06.2017


Die Kirche des Geistes (Die Kirche in der Kraft des Geistes)


Wochenspruch: Sach 4, 6:
„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ (LUT)
„Nicht durch Macht, nicht durch Kraft, allein durch meinen Geist! - spricht der Herr der Heerscharen.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 118:
Dankbares Bekenntnis zur Hilfe Gottes
Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Es sage nun Israel: Seine Güte währet ewiglich. Es sage nun das Haus Aaron: Seine Güte währet ewiglich. Es sagen nun, die den HERRN fürchten: Seine Güte währet ewiglich. In der Angst rief ich den HERRN an; und der HERR erhörte mich und tröstete mich. Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht; was können mir Menschen tun? Der HERR ist mit mir, mir zu helfen; und ich werde herabsehen auf meine Feinde. Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen. Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Fürsten. Alle Völker umgeben mich; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren. Sie umgeben, ja umringen mich; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren. Sie umgeben mich wie Bienen, / sie entbrennen wie ein Feuer in Dornen; aber im Namen des HERRN will ich sie abwehren. Man stößt mich, dass ich fallen soll; aber der HERR hilft mir. Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil. Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg! Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg! Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke. Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen. Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen! Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN. Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars! Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 04.06.2017 ist aus „Apg 2, 4: Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage der NAK ist in den folgenden Kontext eingebettet: Apg 2, 1-13:
Das Pfingstwunder
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins. (LUT)

Kommentar: