Freitag, 30. Dezember 2016

Neujahrstag - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 01.01.2017



Der Weg mit Gott (Das Jahr des Herrn)


Tagesspruch: Kol 3, 17:
„Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ (LUT)
„Alles, was ihr in Wort oder Werk tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!“ (EU)

Tagespsalm 8:
Die Herrlichkeit Gottes und die Größe des Menschen
HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel! Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge / hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgest den Feind und den Rachgierigen. Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht. HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 01.01.2017 ist aus „Philipper 4, 20: Gott aber, unserm Vater, sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist in die folgende Wortumgebung eingebettet: Philipper 4, 1-20: Dank für die Gabe der Gemeinde
Mahnung zur Einigkeit und zur Freude im Herrn
Also, meine lieben Brüder und Schwestern, nach denen ich mich sehne, meine Freude und meine Krone, steht fest in dem Herrn, ihr Lieben. Evodia ermahne ich und Syntyche ermahne ich, dass sie eines Sinnes seien in dem Herrn. Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Gefährte, steh ihnen bei; sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen andern Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens stehen. Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. Weiter, Brüder und Schwestern: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht! Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein.
Dank für die Gabe der Gemeinde
Ich bin aber hocherfreut in dem Herrn, dass ihr wieder eifrig geworden seid, für mich zu sorgen; ihr wart zwar immer darauf bedacht, aber die Zeit hat's nicht zugelassen. Ich sage das nicht, weil ich Mangel leide; denn ich habe gelernt, mir genügen zu lassen, wie's mir auch geht. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht. Doch ihr habt wohl daran getan, dass ihr meine Bedrängnis geteilt habt. Denn ihr Philipper wisst auch, dass am Anfang meiner Predigt des Evangeliums, als ich auszog aus Makedonien, keine Gemeinde mit mir Gemeinschaft gehabt hat im Geben und Nehmen als ihr allein. Denn auch nach Thessalonich habt ihr etwas gesandt für meinen Bedarf, einmal und danach noch einmal. Nicht, dass ich das Geschenk suche, sondern ich suche die Frucht, damit sie euch reichlich angerechnet wird. Ich habe aber alles erhalten und habe Überfluss. Ich habe in Fülle, nachdem ich durch Epaphroditus empfangen habe, was von euch gekommen ist: ein lieblicher Geruch, ein angenehmes Opfer, Gott gefällig. Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus. Gott aber, unserm Vater, sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (LUT)

Kommentar:
  • „Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche stehen vor dem Problem, wie sie in ihren Gottesdiensten auf den Beginn des bürgerlichen Jahres, die Ängste und Hoffnungen der Menschen reagieren sollen.“ Die Feier oder das Gedenken zu Beginn des neuen Jahres kann als „pastorale Chance“ begriffen werden, den Menschen dort abzuholen, wo er als Bürger in seiner Lebensumgebung eben steht. Als Kollektiv, als Lebensgemeinschaft in einer Stadt oder Kommune, stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Zeitabschnitt.
Dem Kirchenjahr resp. dem biblischen Ablauf strenger folgend handelt es sich heute um „den Tag der Beschneidung und der Namensgebung des Herrn: Bei Lukas (2, 21) heißt es in einer kurzen Notiz: ‚Und als acht Tage um waren und er beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war‘“ (Bieritz, 2014, 143f).
Das Neujahrsfest hat also große Ähnlichkeit mit einem Geburtstag oder einer Tauffeier. In unserer Gesellschaft wird Beschneidung als Verstümmelung, Unrecht und sexuelle Gewalt verstanden. In dieser Hinsicht ist die Wendung des Neujahrsfestes zu einem Bürgerfest folgerichtig. Einer Predigt am Neujahrstag würde jedoch eine kritische Betrachtung der Beschneidungspraxis gut zu Gesicht stehen. 
  • Die neuapostolische Kirche veröffentlicht an diesem Tag, einem Taufspruch oder Geburtstagswunsch gleich, ihre Jahreslosung. Sie stellt auch die Predigtgrundlage für den Gottesdienst an Neujahr dar. Der „Tag der Beschneidung und der Namensgebung des Herrn“ findet keine Erwähnung oder Berücksichtigung (vergl. dazu die Leitgedanken der NAK, 2017, 1).
Nicht mit dem Dank an die Gemeinde, sondern mit einem Lob Gottes schließt Paulus den Abschnitt, der der NAK als Predigtgrundlage dienst. Auch hier lenkt Paulus den Blick der Gemeinde auf Gott, hier als Geber der Gaben (vergl. Egger, 1985, 70).
„Im Zentrum der Auslegung dieses Briefes steht seit jeher 2, 6-11. Dass dieses Stück vorpaulinisch ist, ändert nichts daran, dass Paulus es sich theologisch aneignet. Im Kontext geht es deutlich um Jesus als Vorbild und Urbild. Denn das Anliegen des Paulus ist die Einheit der Gemeinde“ (BNÜ, Einleitung zu „Brief an die Phiipper“, 205).
In den Leitgedanken der NAK wird Gott-Vater, in seinem Patriarchat und seiner Autorität in den Mittelpunkt der Verkündung gestellt (vergl. dazu die Leitgedanken der NAK, 2017, 1).

Montag, 26. Dezember 2016

Silvester - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 31.12.2016

Zeit vor Gott (Auf der Schwelle)


Tagesspruch: Ps 103, 8:
„Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“ (LUT)
„Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte.“ (EU)


Tagespsalm: Ps 121:

Der treue Menschenhüter
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit! (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 25.12.2016 ist aus 2. Timotheus 4,7: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist in die folgende Wortumgebung eingebettet: 2. Tim 4, 1-8:
Treue bis zum Ende
So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, erfülle redlich deinen Dienst. Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen. Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. (LUT)

Kommentar: 
  • „In evangelischen Gemeinden gehört ein Gottesdienst am Abend des 31. Dezember zur festen Praxis. Die Lesungen Röm 8, 31b-39 („Die Gewissheit des Heils“) und Lk 12, 35-40 („Vom Warten auf das Kommen des Herrn“) bringen - verstärkt durch die Situation des Jahreswechsels - ein endzeitliches Element in die Weihnachtszeit ein“ (Bieritz, 2014, 142).
  • In neuapostolischen Gemeinden gehört ein Gottesdienst am Abend des 31. Dezember zur festen Praxis. Eine Lesung findet nicht statt. „Der Jahresabschlussgottesdienst greift nochmals auf das dies­ jährige Motto ‚Siegen mit Christus‘ zurück und ruft zu Dank und Selbstbesinnung auf“ (Leitgedanken zum Gottesdienst [der NAK], 12/16, 3).
Paulus, sicher ist indessen, dass dieser Brief, der etwa 75 nach Christus entstand, nicht aus der Feder von Paulus stammt, „formuliert in diesem Brief eine ununterbrochene Kette von amtlichen Verkündigern, die bis in die Anfangszeit zurückreicht und deshalb die Gewähr für die wahre Lehre bietet. Gegnerinnen und Gegnern, die sich ebenfalls auf Paulus berufen, aber andere Vorstellungen christlicher Existenz haben, soll damit die Legitimation entzogen werden“ (GSB, Einleitung zu „An Timotheus: Zweiter Brief“, 2193).
„Noch wie bei Paulus selbst, wird das Ev. an der Person des Apostels illustriert. Das paulinische Konzept der Einheit von Bote und Botschaft wirkt daher in einer Weise nach, die allmählich zur Heiligenverehrung führt“ (BNÜ, Einleitung zu „Der zweite Timotheusbrief“, 754).
„Die sichere Selbstgewissheit des Apostels über Christi Beurteilung seines Wirkens entspricht nicht ganz dem Selbstzeugnis des Paulus (Phil 3, 9-14), das auch sein Ungenügen vor dem Herrn bekennt. Hier spricht die nachpaulinische Kirche, die in Paulus ihr größtes Vorbild verehrt. Der Hinweis auf den Kranz [Krone] der Gerechtigkeit drückt aus, dass Paulus als treuer Verwalter des ihm anvertrauten Heilsgutes den Sieg verdient hat“ (O. Knoch, 1988, 2. Timotheusbrief, 64). Sicher ist diese Predigtgrundlage im Licht des Jahresmottos 2016 der NAK betrachtet, nicht zufällig gewählt. Es klingen die Themen „Verehrung des Apostelamtes“ und „Einheit von Bote und Botschaft“, inkl. die gegenwärtigen Offenbarungen durch dieses Amt, an, die in der NAK von konstitutioneller Bedeutung sind und in enger Beziehung zu den Propria stehen. „(...) Aus evangelischer Sicht wird das gegenwärtige Apostelamt überbetont, da die Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben keiner heilsvermittelnden Institution bedarf. (...) Der NAK fehlt oft der vertiefte Umgang mit biblischen Texten, und manche Auslegungen muten willkürlich an" (Quelle: http://ezw-berlin.de/downloads/Flyer_Kompakt-Information_NAK.pdf).

Montag, 19. Dezember 2016

Christfest I - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 25.12.2016


Das Kind in der Krippe - Die Menschwerdung Gottes


Tagesspruch: Joh 1, 14:

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (LUT)
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (EU)


Tagespsalm 96:
Der Schöpfer und Richter aller Welt
Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN, alle Welt! Singet dem HERRN und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern! Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HERR hat den Himmel gemacht. Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum. Ihr Völker, bringet dar dem HERRN, bringet dar dem HERRN Ehre und Macht! Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt! Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht. Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

Die Predigtgrundlage der NAK vom 25.12.2016 ist aus Lukas 1, 37-38 und lautet:I „Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist in die folgende Wortumgebung eingebettet: Lk 1, 26-38:
Die Ankündigung der Geburt Jesu

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth,  zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß? Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. (LUT)

Kommentar: In der NAK ist weder die Feier einer Christvesper noch die Feier der Christnacht vorgesehen.

  • In der katholischen Ordnung „handelt die Hirtenmesse am Morgen von der Hoffnung auf Erlösung durch die Menschwerdung. (…) Die Tagesmesse hat ihr Zentrum im Evangelium von der Menschwerdung des Wortes, wie sie im Prolog des JohEv zum Ausdruck kommt (Joh 1, 1-18). (…)
  • In der evangelischen Ordnung hat sich die Praxis eingespielt, am heutigen Tag die Lesungen Mi 5, 1-4a, Tit 3, 4-7 und Lk 2, 15-20 vorzunehmen“ (Bieritz, 2014, 137).
  • In der neuapostolischen Ordnung steht die Ankündigung der Geburt Jesu im Zentrum der Predigt. Die Lesung für den heutigen Tag findet sich bei Lk 2, 1-16. Die Auswahl der Lesung beschreibt eine Nähe zur evangelischen Ordnung. Die Auswahl der Predigtgrundlage jedoch entspricht dem Evangelium zum vierten Adventssonntag nach katholischer Ordnung.
„Maria begegnet in der oben beschriebenen Szene Gott. In großer Schlichtheit sagt Maria: ‚Sieh, ich bin Sklavin des Herrn!‘ (…) Über die Jahrhunderte hin bedenken Christen in jedem Ave Maria diese Szene, in der Gottes Menschwerdung geschieht. ‚Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott wird’ - beides geschieht durch den Heiligen Geist, der seit dieser Szene in die Heilsgeschichte des Neuen Bundes eingetreten ist. Denn Teilhabe am Heiligen Geist Jesu im Glauben ermöglicht die Gotteskindschaft der Christen“ (Berger, 2012, B, 31).

Weihnachten ist also die Geburtsfeier der Gotteskindschaft jedes einzelnen Christen!

Donnerstag, 15. Dezember 2016

4. Sonntag im Advent - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 18.12.2016



Die nahende Freude - Maria


Wochenspruch: Phil 4, 4-5:
„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe!“ (LUT; EU)

Wochenpsalm: Psalm 102:
Bitte um Wiederherstellung des Zion (Der fünfte Bußpsalm)
Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem HERRN ausschüttet. HERR, höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen! Verbirg dein Antlitz nicht vor mir in der Not, / neige deine Ohren zu mir; wenn ich dich anrufe, so erhöre mich bald! Denn meine Tage sind vergangen wie ein Rauch, und meine Gebeine sind verbrannt wie von Feuer. Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich vergesse, mein Brot zu essen. Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen. Ich bin wie eine Eule in der Wüste, wie ein Käuzchen in zerstörten Städten. Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dache. Täglich schmähen mich meine Feinde, und die mich verspotten, fluchen mit meinem Namen. Denn ich esse Asche wie Brot und mische meinen Trank mit Tränen vor deinem Drohen und Zorn, weil du mich hochgehoben und zu Boden geworfen hast. Meine Tage sind dahin wie ein Schatten, und ich verdorre wie Gras. Du aber, HERR, bleibst ewiglich und dein Name für und für. Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen; denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist, und die Stunde ist gekommen – denn deine Knechte lieben seine Steine und tragen Leid um seine Trümmer –, dass die Völker den Namen des HERRN fürchten und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit, wenn der HERR Zion wieder baut und erscheint in seiner Herrlichkeit. Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht. Das werde geschrieben für die Nachkommen; und das Volk, das er schafft, wird den HERRN loben. Denn er schaut von seiner heiligen Höhe, der HERR sieht vom Himmel auf die Erde, dass er das Seufzen der Gefangenen höre und losmache die Kinder des Todes, dass sie in Zion verkünden den Namen des HERRN und sein Lob in Jerusalem, wenn die Völker zusammenkommen und die Königreiche, dem HERRN zu dienen. Er demütigt auf dem Wege meine Kraft, er verkürzt meine Tage. Ich sage: Mein Gott, nimm mich nicht weg / in der Hälfte meiner Tage! Deine Jahre währen für und für. Du hast vorzeiten die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk. Sie werden vergehen, du aber bleibst; sie werden alle veralten wie ein Gewand; wie ein Kleid wirst du sie wechseln, und sie schwinden dahin. Du aber bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende. Die Söhne deiner Knechte bleiben wohnen, und ihr Geschlecht wird vor dir gedeihen. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 18.12.2016 ist aus Joh 12, 13 und lautet „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist in die folgende Wortumgebung eingebettet: Joh 12, 12-19 - Der Einzug in Jerusalem
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. (LUT)

Kommentar: „Am 4. Adventssonntag rückt sowohl die katholische als auch die evangelische Ordnung die Vorgeschichte der Geburt Jesu in den Mittelpunkt. In evangelischen Gemeinden liest man das Magnificat, den Lobgesang der Maria, (…). Das Leseangebot für katholische Gottesdienste ist aufgrund des Dreijahreszyklus vielfältiger. Man liest die Ankündigung der Geburt Jesu an Josef (Mt 1, 18-24), die Botschaft des Engels an Maria (Lk 1, 26-38) und die Geschichte vom Besuch Marias bei Elisabeth" (Lk 1, 39-47; Bieritz, 2014, 128).

Die NAK beschäftigt sich an diesem Sonntag mit einem Teil aus Joh 12, 13. Dieser Abschnitt ist die Evangeliumslesung des 1. Advents in der evangelischen Ordnung. Bei der NAK wird jedoch die Parallelstelle aus dem JohEv zitiert, nicht aus dem MtEv.
Mit diesen beiden eigentümlichen Aspekten (Motiv des Nehmens von Palmenzweigen und Motiv der Einholung) rückt Johannes Jesus von vornherein in die königliche Dimension. Jesus kommt nicht als bloßer Pilger daher, sondern, jetzt, da seine Stunde gekommen ist, wird er feierlich als König eingeholt. Die Menge begrüßt ihn als „König Israels“ und mit „Hosianna“ (vergl. Wengst, 2001, Das Johannesevangelium II, 52-57).

Hosianna oder Hosanna ist ein Fleh- oder Jubelruf an Gott oder König (hebr.: הוֹשִׁיעָה נָּא: Hoschana, „Hilf doch!“) und besteht eigentlich aus den beiden Wörtern "Hoschia Na". Er bildet eine immer wiederkehrende Anrufung, die Eingang in die Hallel-Gebete, die Lobpsalmen, gefunden hat. Der Ausdruck erscheint in den Evangelien der Bibel im Zusammenhang mit dem Einzug Christi auf dem Esel nach Jerusalem in der Formel „Hos(i)anna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ (so Mt 21,9 EU; mit ähnlichen Formulierungen Mk 11,9f EU; Joh 12,13 EU; außerdem Lk 19,28 EU, hier wird aber auf den Ausdruck „Hosianna“ verzichtet). Nach der Evangelischen Gottesdienstordnung wird diese Stelle an zwei Sonntagen im Kirchenjahr als Evangelium verlesen: am Palmsonntag (Joh 12,12-19 EU) und am 1. Advent (Mt 21,1-9) [1]. Auch im Sanctus der Messe ist er ein Willkommensgruß, nämlich an den sakramental gegenwärtig werdenden Christus (Wikipedia. Download vom 15.12.16).

Abschließend möchte ich aus den Eintrag zum 4. Advent aus dem Kalender „Der Andere Advent 2016/17“ zitieren:
Heimat von Sabine Schaefer-Kehnert
Heimat - das ist so vieles, und für jeden anders. Meist steht Heimat für einen realen Ort, aus dem man aber vertrieben werden kann. Marcel Reich Ranicki wurde einmal gefragt, wo er zu Hause ist, was seine Heimat ist. Er antwortete: Die Literatur ist meine Heimat!“
„Heimat wird lebendig wo die nächsten Menschen sind. Die, die du liebst, die du auf Reisen vermisst, auf die du dich freust, wenn du heimkehrst. Heimat ist dort, wo nicht alles hinterfragt wird, wo die eigenen Rituale und Gewohnheiten den Rhythmus bestimmen, wo du frei leben, lieben und glauben kannst. Heimat heißt vertraut sein und aufgehoben. In der Liebe Liebe von Menschen und in der Geborgenheit alter Zusagen. Erkannt werden und gerufen sein. Heimat ist das, was vielleicht erst wächst und das du dir schaffen kannst, gemeinsam mit anderen. Diese Art Heimat kannst du mit dir führen.wie das Vertrauen darauf, begleitet zu sein.“

Keiner kommt an dieser Frage vorbei, was seine Heimat ist. Jeder muss sich die Frage beantworten, ob seine Gemeinde, seine Kirche, sein Glaube Heimat in diesem Sinne ist.

Advent kann Heimat sein, denn Advent ist begleitet sein und erwartet werden!

Samstag, 3. Dezember 2016

3. Sonntag im Advent - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 11.12.2016



Der Vorläufer des Herrn - Johannes der Täufer



Wochenspruch: Jes 40, 3 und 10:
„Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! (…) siehe, da ist Gott der HERR! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen. Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her.“ (LUT)

„Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! (…) Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 85:
HERR, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande und hast erlöst die Gefangenen Jakobs; der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk und all ihre Sünde bedeckt hast; der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen und dich abgewandt von der Glut deines Zorns: Hilf uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns! Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn walten lassen für und für? Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass dein Volk sich über dich freuen kann? HERR, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf dass sie nicht in Torheit geraten. Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der HERR Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAKI vom 11.12.2016 ist aus Röm 13, 12 und lautet: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist in die folgende Wortumgebung (Röm 13, 8-14) eingebettet:
Die Liebe, des Gesetzes Erfüllung
Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist (2. Mose 20,13-17): »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst (3. Mose 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Leben im Licht des anbrechenden Tages
Und das tut, weil ihr die Zeit erkannt habt, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Neid; sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt. (LUT)

Kommentar:
  • „Der 3. Adventssonntag besitzt in der katholischen Ordnung - ähnlich wie der 1. Adventssonntag in der evangelischen - ein besonderes Gepräge. Dem Anfangswort der Introitusantiphon (bzw. der Eröffnungsvers) verdankt dem Sonntag seinen Namen Gaudate: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! … Der Herr ist nahe“ (Phil 4, 4-5). (…) Thematisch ist der Sonntag wieder durch die Gestalt Johannes’ des Täufers bestimmt. Die Frage des Täufers an Jesus (Mt 11, 2-11) sein Zeugnis für Jesus (Joh 1, 6-8. 19-28) und sein Hinweis auf den „Stärkeren“, der nach ihm kommt (Lk 3, 10-18), bilden den Inhalt der jeweiligen Evangeliumslesungen. (…)
  • Auch die evangelische Ordnung stellt an diesem Sonntag die Gestalt des Täufers in den Mittelpunkt; Evangelium ist Mt 11, 2-6 (7-10; Bieritz, 2014, 127).
  • Die NAKI beschäftigt sich an diesem Sonntag mit einem Teil aus Römer 13, 11-14. Paulus schließt in seinem Schreiben einen Abschnitt mit Ermahnungen auf der Grundlage einer christlichen Ethik (Heiligkeit, Distanz zur „Welt“, Erfüllung des göttlichen Willens durch das Doppelgebot der Liebe und Hinweise auf bürgerliche Pflichten im Umgang mit den Behörden) mit einer eschatologischen Ermahnung ab. Diese Ermahnung ist Predigtgrundlage.
Wird der Römerbrief ins Diesseitige gewendet, dann kommt man am Thema „Gerechtigkeit“ nicht vorbei. Dazu zitiere ich das Kalenderblatt aus „Der Andere Advent“ vom 11.12.2016:

Gerechtigkeit von Inken Christiansen
Das ist der Menschheitstraum: dass es anders sein kann. Dass eine Welt möglich ist, in der es gerecht zugeht. In der es kein Oben und kein Unten gibt, kein Groß und kein Klein. Die schwangere Maria besingt Gott, der in ihr wächst und kräftig wird. Und sie ersehnt seine Gerechtigkeit, die nicht nach menschlichem Maß misst. Nicht zuteilt, berechnet, wegnimmt. Sondern die barmherzig ist. Den Menschen in allen seinen Möglichkeiten, seinen Grenzen und seinen Hoffnungen begreift. Die gerade dem zuteil werden soll, der sie nicht schon zu besitzen meint, sondern nach ihr hungert und dürstet. Das Kind, das Maria in sich trägt, wird ein Träumer werden, ein Utopist. Er wird immer genau das fordern, was eigentlich unmöglich scheint. Und zeigt uns damit, was wir von uns selbst erwarten dürfen: Gerechtigkeit ist der Weg zu Gott, den wir finden können. Nur eine gerechte Welt ist frei. Dann, wenn nicht die Macht sich das Recht nimmt, sondern das Leben.

P. S.: Johannes der Täufer ist in den Predigten der NAKI nicht Thema, obwohl Johannes neben Jesus und Maria der einzige Heilige ist, dessen Geburtstag die Kirche feiert (jedoch nicht die NAKI). Lukas berichtet, dass Johannes im Leib der Elisabeth hüpfte, als er Jesus zum ersten Mal „traf“. Darum ist der hl. Johannes später Patron der Sänger, Tänzer und Musiker geworden (zitiert aus: Fulbert Steffensky (2010): Johannes der Täufer, bewundert und in Maßen geliebt (Mt 3, 1-12). Aus: Ders.: Der Schatz im Acker. Gespräche mit der Bibel, 43-45).

Montag, 28. November 2016

2. Sonntag im Advent - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 04.12.2016



Der kommende Erlöser - Gericht und Erlösung


Wochenspruch: Lk 21, 28:
„Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (LUT)

„Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 80:
Gebet für Israel, den Weinstock Gottes
Du Hirte Israels, höre, / der du Josef hütest wie Schafe! Erscheine, der du thronst über den Cherubim, vor Ephraim, Benjamin und Manasse! Erwecke deine Kraft und komm uns zu Hilfe! Gott, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen. Herr, Gott Zebaoth, wie lange willst du zürnen beim Gebet deines Volkes? Du speisest sie mit Tränenbrot und tränkest sie mit einem großen Krug voll Tränen. Du lässest unsre Nachbarn sich um uns streiten, und unsre Feinde verspotten uns. Gott Zebaoth, tröste uns wieder und lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen. Du hast einen Weinstock aus Ägypten geholt, hast vertrieben die Völker und ihn eingepflanzt. Du hast vor ihm Raum gemacht / und hast ihn lassen einwurzeln, dass er das Land erfüllt hat. Berge sind mit seinem Schatten bedeckt und mit seinen Reben die Zedern Gottes. Du hast seine Ranken ausgebreitet bis an das Meer und seine Zweige bis an den Strom. Warum hast du denn seine Mauern zerbrochen, dass jeder seine Früchte abreißt, der vorübergeht? Es haben ihn zerwühlt die wilden Säue, und die Tiere des Feldes haben ihn abgeweidet. Gott Zebaoth, wende dich doch! / Schau vom Himmel und sieh, nimm dich dieses Weinstocks an! Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat, den Sohn, den du dir großgezogen hast! Sie haben ihn mit Feuer verbrannt wie Kehricht; vor dem Drohen deines Angesichts sollen sie umkommen. Deine Hand schütze den Mann deiner Rechten, den Sohn, den du dir großgezogen hast. So wollen wir nicht von dir weichen. Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen. Herr, Gott Zebaoth, tröste uns wieder; lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAKI vom 04.12.2016 ist aus Dtn 18, 15 und lautet: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist in die folgende Wortumgebung eingebettet (Dtn 18, 9-22):
Das Prophetengesetz
Wenn du in das Land kommst, das dir der Herr, dein Gott, geben wird, so sollst du nicht lernen, die Gräuel dieser Völker zu tun, dass nicht jemand unter dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut, der ist dem Herrn ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen vertreibt der Herr, dein Gott, die Völker vor dir. Du aber sollst untadelig sein vor dem Herrn, deinem Gott. Denn diese Völker, deren Land du einnehmen wirst, hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber hat der Herr, dein Gott, so etwas verwehrt. Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen. Ganz so wie du es von dem Herrn, deinem Gott, erbeten hast am Horeb am Tage der Versammlung und sprachst: Ich will hinfort nicht mehr hören die Stimme des Herrn, meines Gottes, und dies große Feuer nicht mehr sehen, damit ich nicht sterbe. Und der Herr sprach zu mir: Sie haben recht geredet. Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde. Doch wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen redet, von dem will ich's fordern. Doch wenn ein Prophet so vermessen ist, dass er redet in meinem Namen, was ich ihm nicht geboten habe, und wenn einer redet in dem Namen anderer Götter, dieser Prophet soll sterben. Wenn du aber in deinem Herzen sagen würdest: Wie kann ich merken, welches Wort der Herr nicht geredet hat? – wenn der Prophet redet in dem Namen des Herrn und es wird nichts daraus und es tritt nicht ein, dann ist das ein Wort, das der Herr nicht geredet hat. Der Prophet hat's aus Vermessenheit geredet; darum scheue dich nicht vor ihm. (LUT)

Kommentar:
  • „Die Thematik von Wiederkunft Christi und Gericht bestimmt den 2. Sonntag im Advent nach evangelischer Ordnung. Die Evangeliumslesung findet sich in Lk 21, 25-33.
  • Die katholische Ordnung stellt an diesem Tage die Bußpredigt des Johannes nach den Berichten der ersten Evangelien in den Mittelpunkt (Mt 3, 1-12; Mk 1, 1-8; Lk 3, 1-6; Bieritz, 2014, 126).
  • Die NAKI beschäftigt sich an diesem Sonntag mit dem Prophetengesetz aus Dtn. „Das 5. Buch Mose, auf hebräisch דְּבָרִים (debārīm) Debarim oder auch Devarim („Worte“), auf griechisch Δευτερονόμιον (Deuteronómion) Deuteronomion, latinisiert Deuteronomium („zweites Gesetz“) genannt, ist das fünfte Buch des jüdischen Tanach wie auch des christlichen Alten Testaments und damit das fünfte Buch der verschiedenen Bibelkanons. In der rabbinischen Literatur wird das Buch auch מִשְׁנֵה תוֹרָה Mischne Tora („Wiederholung der Weisung“) genannt“ (Wikipedia; Download vom 28.11.16).

„Dtn schildert die Ereignisse des Tages, bevor Israel in das Land einzieht, das Adonaj den Vorfahren Israels versprochen hat. Es ist zugleich der letzte Lebenstag des Propheten. Mose erinnert die neue Generation an die bisherigen Geschichten Gottes mit seinem Volk und an seine Gebote. So ermöglicht er es denen, die die großen Taten Gottes nicht mit eigenen Augen gesehen haben, sich mit den Erfahrungen der Vorfahren in Beziehung zu setzen und auf ihnen aufzubauen. In all den Bestimmungen und Rechtssatzungen, die Mose an diesem Tag verkündet, geht es darum, die Freiheit, in die Gott sein Volk geführt hat, auch im Land zu bewahren. (…) Dtn umschreibt Israel als eine Generationen übergreifende Lerngemeinschaft“ GSB, Einleitung zu Deuteronomium von Johannes Taschner, 307). Diese „Lerngemeinschaft“ kann heute mit „ecclesia semper reformanda“ „übersetzt“ werden.

Propheten / Prophetinnen sind Mittler zwischen Gotteswelt und Menschenwelt. Somit ist Prophetie nur dann wahre Prophetie, wenn in ihr der Eine Gott zur Sprache kommt.
Sie sind aber auch als Gegenpol zu konservativen und amtlichen Strukturen zu verstehen, die, Kraft ihres Willens zur Opposition (theologisch gewendet: Kraft des Auftrages Gottes) in der Lage sind, versteinerte traditionelle Sozialstrukturen und Glaubensvorstellungen zu verändern.
Propheten leben oft im Verborgenen aber Wirken im öffentlichen Raum. Öffentlich ausgeübt und von institutioneller Verankerung frei, ist prophetischer Dienst wie in biblischer Zeit prinzipiell jedem Menschen zugänglich. Dazu bedarf es keiner besonderen theologischen Ausbildung und amtlicher Beauftragung oder Aufforderung (vergl. im Gegensatz dazu die Leitgedanken der NAKI vom heutigen Sonntag, in denen die Gläubigen von der Amtskirche dazu aufgefordert werden, "prophetisch zu reden." Es sei eine Pflicht, die sich aus der Nachfolge ergäbe: "Zur Nachfolge Jesu gehört, dass auch wir prophetisch reden und davon sprechen, dass er [Jesus] der einzige Weg zum Heil ist, dass wir auf Gottes Gnade angewiesen sind und die Wiederkunft Christi erwarten."). (…) Prophetisches Engagement bedarf heute keiner besonderen religiösen Legitimation. Der heutige Prophet wirkt und redet nicht mehr als religiös legitimierter und inspirierter, sondern als sachlich arbeitender, inspirierender Intellektueller“ (vergl. Bernhard Lang: Prophetie. In: Neues HB theologischer Grundbegriffe, Bd. 3, 2005).

Propheten / Prophetinnen dienen immer der Freiheit!

Donnerstag, 24. November 2016

1. Sonntag im Advent - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 27.11.2016

Einzug in Jerusalem - Wilhelm Morgner


Der kommende Herr - Der Einzug Jesu


"Am ersten Sonntag im Advent liest man das alte (römische!) Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem. Die Epistel (Röm 13, 8-12) gedenkt freilich der Wiederkunft Christi. (...) In der katholischen Ordnung steht dieser Sonntag gänzlich unter dem Thema Wiederkunft Christi" (Bieritz, 2014, 126f). 

Wochenspruch: Sach 9, 9:
„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (LUT)
„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 24:
Der Einzug des Herrn in sein Heiligtum
Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner. Denn er hat ihn auf Meere gegründet, ihn über Strömen befestigt. Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, der nicht betrügt und keinen Meineid schwört. Er wird Segen empfangen vom Herrn und Heil von Gott, seinem Helfer. Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs. Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit. Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf. Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch, ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit. Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit. (EU)

Die Predigtgrundlage der NAKI vom 27.11.2016 ist aus 2. Kor 1, 20 und lautet: „Auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist in die folgende Wortumgebung eingebettet:
2. Kor 1, 12-24: Gegen den Vorwurf der Unredlichkeit
Denn dies ist unser Ruhm, das Zeugnis unseres Gewissens, dass wir in Redlichkeit und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes unser Leben in der Welt geführt haben, und das vor allem bei euch. Denn wir schreiben euch nichts anderes, als was ihr lest und auch versteht. Ich hoffe aber, ihr werdet es noch völlig verstehen, wie ihr uns zum Teil auch schon verstanden habt, nämlich, dass wir euer Ruhm sind, wie auch ihr unser Ruhm seid am Tage unseres Herrn Jesus. Und in solchem Vertrauen wollte ich zunächst zu euch kommen, auf dass ihr abermals eine Wohltat empfinget. Von euch aus wollte ich nach Makedonien reisen, aus Makedonien wieder zu euch kommen und mich von euch geleiten lassen nach Judäa. Bin ich etwa leichtfertig gewesen, als ich dies wollte? Oder plane ich, was ich plane, auf fleischliche Weise, sodass das Ja Ja bei mir auch ein Nein Nein wäre? Bei der Treue Gottes, unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern das Ja war in ihm. Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat. Ich rufe aber Gott zum Zeugen an bei meinem Leben, dass ich euch schonen wollte und darum nicht wieder nach Korinth gekommen bin. Nicht dass wir Herren wären über euren Glauben, sondern wir sind Gehilfen eurer Freude; denn ihr steht im Glauben. (LUT)

Kommentar: Im Jahrkreis des (katholischen) Kirchenjahres ist dieser Text dem 7. Sonntag zugeordnet. „Liturgiegeschichtlich bedeutet das ‚Amen‘, dass die Kultgemeinde im Ganzen verantwortlich dafür verantwortlich ist, was gesagt wird oder geschieht, und sie nimmt diese Verantwortung auf verbalem Wege wahr. Im Übrigen zeigt Paulus, dass das bestätigende ‚Amen’ als ein Lobpreis Gottes aufgefasst wurde. Der Zusatz ‚Gott zur Ehre’ in V 20 zeigt, dass das Amen als doxologischer, das heißt lobpreisender Text aufgefasst wurde. (…) Alles, was Gott je versprochen hat - durch Jesus Christus hat er das Ja der Erfüllung gesprochen. Auf dieses Ja antworten wir daher im Gottesdienst mit dem bestätigenden ‚Amen’, Gott zur Ehre. Gott gibt uns und euch in Jesus Christus festen gemeinsamen Boden unter die Füße“ (Berger (2008): „Die Christen sind die durch den Heiligen Geist Gesalbten.“ In: Die Briefe des Heiligen Apostels Paulus, 2008, 230-233).

Diesen festen Grund erwarten wir! Das kommende Geburtsfest Jesu ist ein Fest der Redlichkeit! Was für ein Auftakt.

Mittwoch, 23. November 2016

In eigener Sache



Liebe Leserinnen und Leser,


seit dem 16. April 2012 betreibe ich diesen Blog. Ich poste wöchentlich und kommentiere dabei die Handreichungen für die neuapostolischen Laienprediger, wie sie von der Neuapostolischen Kirche International vorgegeben werden. Sie werden "Leitgedanken" genannt. Sie sollen dazu dienen, dass die Lehre der Neuapostolischen Kirche möglichst einheitlich verbreitet wird.

Insgesamt wurde die Seite bisher 35271 mal aufgerufen, im letzten Monat verzeichnete ich 1397 Aufrufe (Stand: 23.11.16).
In dem vergangenen Kirchenjahr 59 Post entstanden. Die Zugriffe zu den einzelnen Post liegen zwischen 31-1014. Allwöchentlich wurden die Posts im Durchschnitt von ca. 100 Menschen gelesen. Die Veröffentlichung fand in der Regel 1-7 Tage vor dem jeweiligen Gottesdienst statt, als persönliche "Handreichung" sozusagen, da die "Leitgedanken" theologisch doch oft recht "dünn" sind mit einem starken Bezug zu den neuapostolischen Sonderlehren (Propria) die, so mein Eindruck, im Verlauf des Kirchenjahres stärker an Bedeutung gewonnen haben. Somit grenzt sich die Neuapostolische Kirche derzeit wieder stärker von den beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ab.

"Unter diesen Propria sind einige in der ökumenischen Diskussion umstritten:
das gegenwärtige Apostelamt, insbesondere der Stammapostel und die gegenwärtigen Offenbarungen des Heiligen Geistes,
die Sakramentstheologie,
die die trinitarische Taufe - übrigens auch die Taufe der NAK selbst - abwertet, indem sie auf der Heilsnotwendigkeit der Versiegelung besteht,
das „Entschlafenenwesen“, bei dem abgeleitet aus 1. Kor 15, 29 Verstorbene getauft werden und sogar mit ihnen Abendmahl gefeiert wird,
die exklusivistische Eschatologie und Ekklesiologie, in der anderen Christen nur sekundäre Heilsmöglichkeiten zugestanden werden.
(...) Aus evangelischer Sicht wird das gegenwärtige Apostelamt überbetont, da die Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben keiner heilsvermittelnden Institution bedarf. Der exklusive Heilsanspruch der NAK ist abgeschwächt, aber nicht aufgegeben worden. Wenn erst Taufe und Versiegelung die Gotteskindschaft vermitteln, so spricht man indirekt allen anderen Christen die volle Gotteskindschaft ab, was unverbunden neben der Betonung von Gottes universalem Heilswillen steht. (...) Es gibt keine verbindliche Bibelhermeneutik oder geregelten Abläufe, um problematische 'Einsichten' künftiger Stammapostel auszuschließen. Der NAK fehlt oft der vertiefte Umgang mit biblischen Texten, und manche Auslegungen muten willkürlich an" (Quelle: http://ezw-berlin.de/downloads/Flyer_Kompakt-Information_NAK.pdf).

Dies führt dazu, dass mitunter der Bezug zum Evangelium verloren geht oder zumindest stark in den Hintergrund gedrängt wird. Auch bezieht sich die Neuapostolische Kirche im deutschsprachigen Raum nach wie vor auf die Luther-Bibel von 1984 und vollzieht die Neuübertragung von 2017 nicht mit.

Andererseits wird sich zunehmend auf das (evangelische) Kirchenjahr mit seinen traditionellen Themen bezogen. Auch dies in den einzelnen Posts deutlich geworden. 

Das vergangene Kirchenjahr war von einem Streit mit der Kirchenleitung auf verschiedenen Ebenen geprägt. Dabei wurde ausdrücklich betont, dass der Blog nicht die Ursache des Konfliktes gewesen sei. In einer persönlichen Mitteilung des neuapostolischen Apostels Ulrich Falk, Gebietskirche Nord-Ost, wurde mein Blog von ihm sogar als "sehr interessant" bezeichnet. Der Zusammenhang zu dem Konflikt mit der KL der NAK wurde allerdings so überdeutlich abgestritten (u. a. gegenüber glaubenskultur.de), dass er eher als hochwahrscheinlich anzusehen ist: "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!" (Walter Ulbricht am 15. Juni 1961)

Auch im neuen Kirchenjahr werde ich meinen Blog weiterführen. Ich werde mich dabei ausschließlich auf die biblische Predigtgrundlage für die Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche beziehen. So werden persönliche, alternative Handreichungen entstehen. Die Veröffentlichungen finden auch weiterhin 1-7 Tage vor den jeweiligen Sonntagen statt.

Ich werde den aktuellen Wochenpsalm zitieren. Als Quellen dienen mir dabei: "Lied trifft Text" - Eine Arbeitshilfe zur Gottesdienstgestaltung mit dem Evangelischen Gesangbuch - von Dörte Maria Packeiser u. a. herausgegeben und im Gesangbuchverlag Stuttgart im Jahre 2000 erschienen und Bieritz, Karl-Heinrich: Das Kirchenjahr: Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, 9. Auflage, 2014.

Bei allen Leserinnen und Lesern bedanke ich mich für das Interesse und wünsche Ihnen / Euch weiterhin anregende Gedanken.

Matthias Schröter

Montag, 14. November 2016

Letzter Sonntag im Kirchenjahr - Ewigkeitssonntag; mit einem Kommentar über die Leitgedanken der NAK zum 20. November 2016


Die ewige Stadt


„Der Letzte Sonntag im Kirchenjahr kann in zweifacher Weise begangen werden: als Ewigkeitssonntag oder als Gedenktag der Entschlafenen (Totensonntag). Eine Kombination beider ist nicht abwegig. Hier wird noch getrennt, weil dies auch vom neuen Evangelischen Gottesdienstbuch so vorgesehen wird.

Als Ewigkeitssonntag schauen die Perikopen dieses Tages in die Zukunft, die jenseits unserer Vorstellungen liegt. Dabei ist wichtig, diese wunderbare Zukunft nicht als rein geistige Realität zu erfahren und zu vermitteln. Denn durch Jesus Christus ist Ewigkeit in unser Leben hineingedrungen und kann so auch in unserer Realität schon greifbar werden.
Am letzten Sonntag des Kirchenjahres hören wir vom himmlischen Jerusalem, der ewigen Stadt, die uns als Wohnstatt verheißen ist. Das Warten scheint uns lang zu werden, aber vor Gott sind tausend Jahre wie ein Tag, und um seiner Schöpfung willen schenkt er Raum zur Buße. So freuen wir uns auf die verheißene Stadt und warten geduldig in dem Wissen, dass der Tag des Herrn unvermittelt anbrechen wird“ (www.daskirchenjahr.de).


Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir Jesaja 26, 7-19:
Warten auf Gottes Gerechtigkeit
Des Gerechten Weg ist eben, den Steig des Gerechten machst du gerade. Wir warten auf dich, Herr, auch auf dem Weg deiner Gerichte; des Herzens Begehren steht nach deinem Namen und deinem Lobpreis. Von Herzen verlangt mich nach dir des Nachts, ja, mit meinem Geist suche ich dich am Morgen. Denn wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. Aber wenn dem Gottlosen Gnade widerfährt, so lernt er doch nicht Gerechtigkeit, sondern tut nur übel im Lande, wo das Recht gilt, und sieht des Herrn Herrlichkeit nicht. Herr, deine Hand ist erhoben, doch sie sehen es nicht. Aber sie sollen sehen den Eifer um dein Volk und zuschanden werden. Mit dem Feuer, mit dem du deine Feinde verzehrst, wirst du sie verzehren. Aber uns, Herr, wirst du Frieden schaffen; denn auch alles, was wir ausrichten, das hast du für uns getan. Herr, unser Gott, es herrschen wohl andere Herren über uns als du, aber wir gedenken doch allein deiner und deines Namens. Tote werden nicht lebendig, Schatten stehen nicht auf; denn du hast sie heimgesucht und vertilgt und jedes Gedenken an sie zunichtegemacht. Du hast vermehrt das Volk, Herr, vermehrt das Volk, hast deine Herrlichkeit bewiesen und weit gemacht alle Grenzen des Landes. Herr, in der Trübsal suchten sie dich; als du sie gezüchtigt hast, waren sie in Angst und Bedrängnis. Gleich wie eine Schwangere, wenn sie bald gebären soll, sich windet und schreit in ihren Schmerzen, so geht's uns auch, Herr, vor deinem Angesicht. Wir sind auch schwanger und winden uns, und wenn wir gebären, so ist's Wind. Wir können dem Lande nicht helfen, und Bewohner des Erdkreises können nicht geboren werden. Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen. Wachet auf und rühmet, die ihr liegt unter der Erde! Denn ein Tau der Lichter ist dein Tau, und die Erde wird die Schatten herausgeben. (LUT 2017)

Als Evangeliumslesung für den heutigen Sonntag kann auch Offb 21, 1-8 verwendet werden: 
Der neue Himmel und die neue Erde
Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der erste Himmel und die erste Erde waren verschwunden und das Meer war nicht mehr da. Ich sah, wie die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam. Sie war festlich geschmückt wie eine Braut für ihren Bräutigam. Und vom Thron her hörte ich eine starke Stimme rufen: »Dies ist die Wohnstätte Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage und keine Quälerei mehr. Was einmal war, ist für immer vorbei.« Dann sagte der, der auf dem Thron saß: »Gebt Acht, jetzt mache ich alles neu!« Zu mir sagte er: »Schreib dieses Wort auf, denn es ist wahr und zuverlässig.« Und er fuhr fort: »Es ist bereits in Erfüllung gegangen! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, dem gebe ich umsonst zu trinken. Ich gebe ihm Wasser aus der Quelle des Lebens. Alle, die durchhalten und den Sieg erringen, werden dies als Anteil von mir erhalten: Ich werde ihr Gott sein und sie werden meine Söhne und Töchter sein. Aber die Feiglinge und Treulosen, die Abgefallenen, Mörder und Ehebrecher, die Zauberer, die Götzenanbeter und alle, die sich nicht an die Wahrheit hielten, finden ihren Platz in dem See von brennendem Schwefel. Das ist der zweite, der endgültige Tod.« (GNB)

Die Leitgedanken der NAK für den letzten Sonntag im Kirchenjahr tragen die Überschrift „Gerechtfertigt aus dem Glauben“

Die Predigtgrundlage findet sich in „Maleachi 3,18: Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“ (LUT 1984)

Begründet wird die Auswahl so: „Am zweiten und dritten Sonntag im November wird eine kurze Themenreihe zu den „letzten Dingen“ ausgeführt. Hierzu gehören „Zukunftshoffnung“ und das „Gericht“. (…) Auch fürchtet er sich nicht vor dem Tag des Herrn, dem Tag des Gerichts, von dem das Bibelwort des letzten Sonntags im Kirchenjahr spricht. Durch den Glauben gerechtfertigt, dient der Glaubende in Liebe und Gottesfurcht dem Herrn. In dieser tätigen Liebe ist keine Furcht (1 Joh 4, 18). Damit steht er im Gegensatz zu den Gottlosen (alle Zitate sind entnommen aus den o. g. Leitgedanken der NAK).


Zum heutigen Sonntag erklingt die Kantate: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (BWV 140) von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Das Werk basiert auf dem bekannten gleichnamigen Choral von Philipp Nicolai aus dem Jahre 1599. Diese Choralkantate wurde für den im Kirchenjahr nur selten vorkommenden 27. Sonntag nach Trinitatis komponiert. Sie ist die Vertonung der Parabel „Kluge Mädchen kommen überall hin… (Von den zehn Jungfrauen).“ Die Uraufführung war am 25. November 1731.
"Im Rahmen einer sequentiellen Lektüre des Mt liegt es nahe, die Parabel von den Mädchen als eine Warnung für die Gemeinde angesichts der endgültigen Scheidung im Gericht zu lesen. Klug, wachsam und vorbereitet sind jene, die den 'Willen des Vaters' tun (Mt 7, 21) bzw. die Worte der Bergpredigt hören und tun (Mt 7, 24). (...) Fackeln mit Öl stehen für das Hören und Tun der Worte Jesu, wohingegen Fackeln ohne Öl das Hören ohne Tun veranschaulichen. (...) Die Haltung der Bereitschaft erhält ihren ganz besonderen Fokus darin, dass das Leben als zielgerichtet gedacht wird - sei es auf die Parusie oder den persönlichen Tod hin. Dieses Ziel trägt in der Parabel wie in der christlichen Eschatologie ganz allgemein stets die Gesichtszüge des gekreuzigten und auferstandenen Christus" (Moisés Mayordomo: Kluge Mädchen kommen überall hin (Von den zehn Jungfrauen). In: Zimmermann (Hg.), Kompendium der Gleichnisse Jesu, 2007, 488-503).


Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“ (T Johann Matthäus Meyfart 1629; M: Melcheor Franck 1663, Darmstadt 1698).

Kommentar: Was für eine Utopie, was für eine Aussicht, was für eine Zusage. Der ausgewählte Abschnitt aus der Apokalypse ist eine Zusammenfassung des gesamten Evangeliums: "Siehe, ich mache alles neu!" Meine Antwort auf diese Zusage stellt der Psalm 46 dar ("Chor, einen Vers bitte!" 😉)
Zu jeder Tages- und Nachtzeit (Gott ist unsere Zuversicht und Stärke)
Gott ist unsere Hoffnung und unser Rückhalt, er hilft uns in Unglück und Verzweiflung. Deshalb fühlen wir uns behütet, selbst wenn die ganze Welt ins Wanken geriete und die Gebirge ins Wasser fielen, oder wenn eine Jahrhundertflut käme und die Berge zum Einsturz brächten. Da, wo Gott wohnt und willkommen ist, bleibt auch die Fröhlichkeit wie eine sprudelnde Quelle. Gott ist ja da, mit ihm bleibt das Leben bestehen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sind wir bei ihm geborgen. Die von Gott nichts halten, wissen auch hiervon nichts. Ihr Leben zerbricht an der Verzweiflung. Seht genau hin, wie Gott vergehen lässt, was ohne ihn sein will. Gott siegt mit seinem Frieden, vor dem alle Waffen zerbrechen und aller Hass schmilzt. Gott sagt: Ich bin der Herr über Leben und Tod (Ps 46 in der Fassung von Peter Spangenberg. Aus: Höre meine Stimme, 2013). 

Mittwoch, 9. November 2016

Vorletzter Sonntag im Kirchenjahr - Volkstrauertag; mit einem Kommentar über die Leitgedanken der NAK zum 13. November 2016



Weltgericht


„Der Vorletzte Sonntag im Kirchenjahr befasst sich mit dem Weltgericht, wie es vielfach im Neuen Testament angekündigt. Viele Menschen unterliegen der Gefahr, das Kommen des Weltgerichtes in den Zeichen dieser Zeit zu sehen: in Verwüstungen, Naturkatastrophen, Kriegen usw. Dabei machen sie sich zu Beobachtern, obgleich sie doch selbst Betroffene sein müssten. Unser Glaube lehrt uns, dass Gott barmherzig und gnädig ist und dem vergibt, der sich ihm in Vertrauen zuwendet. Somit ist es wohl angebracht, das Weltgericht als ein positives Geschehen zu erwarten und nicht als etwas, das Zerstörung und damit Leid bringt. Am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres hören wir die Erzählung vom Weltgericht und werden daran erinnert, dass auch wir nicht dem Gericht ausweichen können. Aber wir wissen, dass wir hindurch kommen durch die Liebe Gottes, die er uns in seinem Sohn Jesus Christus bewiesen hat. Diese Liebe wollen wir auch in unserem Leben weitergeben“ (www.daskirchenjahr.de).

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir Ps 51:
Gott, vergib mir meine Schuld!
Sei mir gnädig, o Gott – du bist doch reich an Gnade! In deiner großen Barmherzigkeit lösche meine Vergehen aus! Wasche meine Schuld ganz von mir ab, und reinige mich von meiner Sünde! Denn ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist mir ständig vor Augen. Gegen dich allein habe ich gesündigt, ja, ich habe getan, was in deinen Augen böse ist. Das bekenne ich, damit umso deutlicher wird: Du bist im Recht mit deinem Urteil, dein Richterspruch ist wahr und angemessen. Du weißt es: Von Geburt an lastet Schuld auf mir; auch meine Mutter war nicht frei von Sünde, als sie mit mir schwanger war. Du liebst es, wenn ein Mensch durch und durch aufrichtig ist; so lehre mich doch im Tiefsten meines Herzens Weisheit! Reinige mich von meiner Sünde – so wie der Priester dies mit einem Ysopbüschel tut – , dann bin ich wirklich wieder rein. Wasche meine Schuld von mir ab, dann werde ich weißer sein als Schnee. Lass mich wieder etwas Wohltuendes hören und Freude erleben, damit ich aufblühe, nachdem du mich so zerschlagen hast. Schau nicht weiter auf die Sünden, die ich begangen habe, sondern lösche meine ganze Schuld aus! Erschaffe in mir ein reines Herz, o Gott, und gib mir einen neuen, gefestigten Geist. Schick mich nicht weg aus deiner Nähe, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. Lass mich wieder Freude erleben, wenn du mich rettest. Hilf mir, indem du mich bereit machst, dir gerne zu gehorchen. Dann will ich denen, die sich von dir abgewendet haben, deine Wege zeigen. Ja, Menschen, die gegen dich sündigen, sollen so umkehren zu dir. Gott, durch mich wurde das Blut eines Menschen vergossen – befreie mich von dieser Schuld, Gott, du mein Retter! Dann werde ich dich loben mit meiner Stimme und jubeln über deine Treue. Herr, öffne du meine Lippen, damit mein Mund deinen Ruhm verkündet! Dir liegt nichts daran, dass ich dir Tiere als Schlachtopfer darbringe – ich würde es sonst bereitwillig tun. Nein, nach Brandopfern hast du kein Verlangen. Ein Opfer, das Gott gefällt, ist tiefe Reue; ein zerbrochenes und verzweifeltes Herz wirst du, o Gott, nicht zurückweisen. In deiner Güte erweise auch der Stadt Zion Gutes, ja, festige die Mauern Jerusalems! Dann wirst du erneut Gefallen haben an den vorgeschriebenen Opfern, an Brandopfern, die vollständig in Rauch aufgehen. Dann werden auf deinem Altar wieder Stiere für dich dargebracht. (NGÜ)

Die Evangeliumslesung für den heutigen Sonntag steht in Mt 25, 31-46:
Wonach der Weltrichter urteilt
»Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt, begleitet von allen Engeln, dann wird er auf seinem Herrscherthron Platz nehmen. Alle Völker der Erde werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie ein Hirt die Schafe von den Böcken trennt. Die Schafe wird er auf seine rechte Seite stellen und die Böcke auf seine linke Seite. Dann wird der König zu denen auf seiner rechten Seite sagen: ›Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt Gottes neue Welt in Besitz, die er euch von allem Anfang an6 zugedacht hat. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir etwas anzuziehen gegeben; ich war krank und ihr habt mich versorgt; ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.‹ Dann werden die, die den Willen Gottes getan haben, fragen: ›Herr, wann sahen wir dich jemals hungrig und gaben dir zu essen? Oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann kamst du als Fremder zu uns und wir nahmen dich auf, oder nackt und wir gaben dir etwas anzuziehen? Wann warst du krank oder im Gefängnis und wir besuchten dich?‹ Dann wird der König antworten: ›Ich versichere euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan.‹ Dann wird der König zu denen auf seiner linken Seite sagen: ›Geht mir aus den Augen, Gott hat euch verflucht! Fort mit euch in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist! Denn ich war hungrig, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd, aber ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, aber ihr habt mir nichts anzuziehen gegeben; ich war krank und im Gefängnis, aber ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹ Dann werden auch sie ihn fragen: ›Herr, wann sahen wir dich jemals hungrig oder durstig, wann kamst du als Fremder, wann warst du nackt oder krank oder im Gefängnis – und wir hätten uns nicht um dich gekümmert?‹ Aber er wird ihnen antworten: ›Ich versichere euch: Was ihr an einem von meinen geringsten Brüdern oder an einer von meinen geringsten Schwestern zu tun versäumt habt, das habt ihr an mir versäumt.‹ Auf diese also wartet die ewige Strafe. Die anderen aber, die den Willen Gottes getan haben, empfangen das ewige Leben.« (GNB)

Die Leitgedanken der NAK für den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr tragen die Überschrift „Lebendig durch den Geist“

Die Predigtgrundlage findet sich in „Rö 8, 11: Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“ (LUT)

Begründet wird die Auswahl so: „Am zweiten und dritten Sonntag im November wird eine kurze Themenreihe zu den „letzten Dingen“ ausgeführt. Hierzu gehören „Zukunftshoffnung“ und das „Gericht“. Derjenige, der durch den Glauben an Jesus Christus zum Leben durchgedrungen ist, lebt sein Leben in Zukunftshoffnung. So wie Christus durch den Heiligen Geist von den Toten auferweckt wurde, so wird der Glaubende durch den Heiligen Geist vorbereitet, den neuen Leib, den Auferstehungsleib, zu empfangen. Daher ist das Sinnen und Trachten des Christen stets nach vorn gerichtet, auf die Erfüllung der Verheißung Jesu. Ein Mensch ohne Hoffnung kann kein wahrer Christ sein (alle Zitate sind entnommen aus den o. g. Leitgedanken der NAK).

Zum heutigen Sonntag erklingt die Kantate: „Du Friedefürst, Herr Jesu Christ“ (BWV 116) von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Er komponierte sie in Leipzig für den 25. Sonntag nach Trinitatis, den 26. November 1724.

Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet: „Verleih uns Frieden, gnädiglich“ (T & M: Martin Luther 1529).

Kommentar: Ich verweise an dieser Stelle zum wiederholten Male auf meine Posts "In eigener Sache II - Vorwurf Illoyalität: Apostel Falk schmeißt Musikbeauftragten raus, weil der ökumenische Losungen verbreitete" und "In eigener Sache - 'Ecclesia semper reformanda'“ in diesem Blog hin. Kommentieren möchte ich diesen Vorgang mit den Versen aus dem heutigen Evangelium: "Darauf wird er ihnen antworten: ›Ich sage euch: Was immer ihr an einem meiner Brüder zu tun versäumt habt - und wäre er noch so gering geachtet gewesen -, das habt ihr mir gegenüber versäumt.‹" (NGÜ)
Heute, am Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres, werde ich als Mitglied der Kantorei an St. Michaelis, Eutin die Missa da Requiem von Giuseppe Verdi (1813-1901) aufführen. Der Messetext und die deutsche Übersetzung dazu findet sich hier:
https://www.unimusik.uni-hamburg.de/downloads/giuseppe-verdi-messa-da-requiem-lateinisch-deutsch.pdf

Sonntag, 6. November 2016

Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr; mit einem Kommentar über die Leitgedanken der NAK zum 06. November 2016


Mitten unter uns


„Der Drittletzte Sonntag im Kirchenjahr hat das Kommen des Herrn zum Thema. Während das Evangelium selbst nur davor warnt, dieses Kommen vorhersagen zu wollen, betont die Epistel die Herrschaft Christi über Lebende und Tote. Die alttestamentliche Perikope weicht etwas ab: Hiob bittet Gott, dem Menschen doch seine Ruhe zu lassen und ihn nicht vors Gericht zu zerren zu seinen Lebzeiten, wie es ihm geschehen ist. Hier hat der Glaube an ein ewiges Leben noch nicht viel verloren. Die 5. und 6. Perikope jedoch gehen sehr klar auf das Kommen des Herrn ein. Durch alle Perikopen scheint sich auch die Frage hindurchzuziehen, wie wir dem Herrn begegnen, wenn er kommt, und wie wir uns auf ihn vorbereiten. Am drittletzten Sonntag des Kirchenjahres denken wir an den Jüngsten Tag, an dem unser Herr kommen und sich der Welt offenbaren wird. Der Glaube macht uns stark, an diesem Tag des Heils dem Herrn entgegenzugehen“ (www.daskirchenjahr.de).

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir Ps 90:
Gott ist unsere Zuflucht
Herr, eine Zuflucht bist du uns gewesen, wo man sicher wohnen kann, du warst es für uns durch alle Generationen. Ehe die Berge geboren wurden, ehe du die Erde mit ihren Lebensräumen hervorbrachtest – da warst du, Gott, schon da von Ewigkeit zu Ewigkeit. Die sterblichen Menschen lässt du zu Staub werdenund sprichst: »Kehrt ´zum Staub` zurück, ihr Menschenkinder!« Denn tausend Jahre sind in deinen Augen so kurz wie ein gerade vergangener Tag – sie sind nicht länger als ein paar Stunden in der Nacht. Du reißt die Menschen aus dem Leben, sie entschlafen, sie sind so vergänglich wie frisch emporgewachsenes Gras, das am Morgen sprießt und blühtund am Abend welkt und verdorrt. Ja, wir vergehen durch deinen Grimm, wir erschrecken, wenn dein Zorn uns trifft. Du führst dir unsere Vergehen vor Augen, selbst unsere verborgenen Sünden kommen vor dir ans Licht. Ach, alle unsere Tage schwinden dahin, weil dein Zorn auf uns lastet, wir durchleben unsere Jahre so rasch, als wären sie ein kurzer Seufzer. Unser Leben dauert siebzig Jahre, und wenn wir noch Kraft haben, dann auch achtzig Jahre. Und was uns daran so wichtig erschien, ist letztlich nur Mühe und trügerische Sicherheit. Denn schnell eilen unsere Tage vorüber, als flögen wir davon. Wer aber erkennt wirklich, wie gewaltig dein Zorn und dein Grimm ist? Wer begreift, welche Ehrfurcht dir gebührt? Lehre uns zu bedenken, wie wenig Lebenstage uns bleiben, damit wir ein Herz voll Weisheit erlangen! Herr, wende dich ´uns` wieder zu! Wie lange ´hält dein Zorn noch an`?Erbarme dich über alle, die dir dienen! Schenk uns schon am Morgen deine reiche Gnade! Dann werden wir jubeln und uns freuen unser Leben lang. Erfreue uns nun eben so viele Tage, wie du uns ´bisher` gedemütigt hast – für die Jahre, in denen wir Schlimmes erleben mussten, gib uns nun gute Jahre! Lass deine Diener dein mächtiges Handeln erleben, über ihren Kindern lass deine Herrlichkeit sichtbar werden! So zeige sich nun an uns die Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes! Gib dem Bestand, was wir mit eigenen Händen tun, ja, fördere unserer Hände Arbeit! (NGÜ)

Die Evangeliumslesung für den heutigen Sonntag steht in Lk 17, 20-37:
Wann richtet Gott seine Herrschaft auf?
Einige Pharisäer fragten Jesus, wann die Herrschaft Gottes anbrechen werde. Jesus antwortete: »Ihr dürft nicht nach Vorzeichen ausschauen und an allen möglichen Orten nach ihr suchen! Denn schon jetzt, mitten unter euch, richtet Gott seine Herrschaft auf!«
Vom Kommen des Menschensohnes
Dann sagte Jesus zu den Jüngern, den Männern und Frauen: »Es wird die Zeit kommen, wo ihr euch danach sehnt, auch nur einen Tag unter der Herrschaft des Menschensohnes zu erleben. Aber es wird euch nicht vergönnt sein. Sie werden zu euch sagen: ›Schaut doch hierher!‹, oder: ›Schaut dorthin!‹ Aber geht nicht hin und gebt nichts darauf. Wenn sein Tag da ist, wird der Menschensohn kommen wie ein Blitz, der mit einem Schlag den ganzen Horizont ringsum erhellt. Aber zuvor muss er noch vieles erleiden und von den Menschen dieser Generation verworfen werden. Wenn der Menschensohn kommt, wird es genauso sein wie zur Zeit Noachs: Die Menschen aßen und tranken und heirateten, wie sie es gewohnt waren – bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging. Dann kam die Flut und vernichtete sie alle. Und es wird auch genauso sein wie in den Tagen Lots: Sie aßen und tranken, sie kauften und verkauften, bestellten das Land und bauten Häuser, wie sie es gewohnt waren. An dem Tag aber, an dem Lot die Stadt Sodom verließ, fiel Feuer und Schwefel vom Himmel und vernichtete sie alle. Ganz genauso wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn erscheint. Wer an jenem Tag gerade auf dem Dach ist und seine Sachen unten im Haus liegen hat, soll keine Zeit damit verlieren, erst noch hineinzugehen, um sie zu holen. Und wer gerade auf dem Feld ist, soll nicht einmal mehr zurückschauen, um sein Haus noch einmal zu sehen. Denkt an Lots Frau! Wer sein Leben retten will, wird es verlieren, und wer es verliert, wird es retten. Ich sage euch: Zwei Männer werden in jener Nacht auf einem Bett schlafen: Der eine wird angenommen, der andere zurückgelassen. Zwei Frauen werden zusammen Korn mahlen: Die eine wird angenommen, die andere zurückgelassen.« Die Jünger fragten: »Wo wird das geschehen, Herr?« Jesus antwortete ihnen: »Wo Aas liegt, da sammeln sich die Geier.« (GNB)

Die Leitgedanken der NAK für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr tragen die Überschrift „Errettung durch Hinwendung zum Kreuz“

Die Predigtgrundlage findet sich in „Johannes 3, 14-15: Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (LUT)

Begründet wird die Auswahl so: „Der letzte Monat im Kirchenjahr beginnt mit dem Gottesdienst für Entschlafene. Das Bibelwort macht deutlich, dass die Hinwendung zum Kreuz, also zu dem erhöhten Herrn, unerlässlich ist, um dem geistigen Tod entrinnen zu können. Sein schmerzhafter Tod am Kreuz war keine Niederlage, sondern Erhöhung zum Heil der Menschen. So wie alle, die bei der Wüstenwanderung durch den giftigen Biss der Schlangen in Todesgefahr waren, zur ehernen Schlange aufschauen mussten, um geheilt zu werden, so schenkt Jesus Christus allen Verlangenden Heil, die sich gläubig ihm zuwenden (Joh 3,14.15). Indem wir unseren Glauben und unser Bekenntnis zum Herrn 'hochhalten', können wir mithelfen, dass noch viele Menschen den Herrn und seine Liebe zu den Menschen sehen und erkennen. (…)

Gedanken des neuapostolischen Stammapostels zum Entschlafenenwesen
Das Entschlafenenwesen gehört zu den Reichtümern des neuapostolischen Glaubens. Neuerdings war ich sehr überrascht zu lesen, dass mehr und mehr Christen behaupten, an Jesus Christus zu glauben, jedoch nicht an ein Jenseits. Wieder andere meinen, dass die Hinnahme der Sakramente von dem Vorhandensein des Leibes abhängig ist; ihrer Ansicht nach kann die vom Leib getrennte Seele nur noch auf die Auferstehung der Toten warten. Am Jüngsten Gericht werden dann die auferstandenen Toten, sofern sie von Gott angenommen werden, in sein Reich eingehen können.
Wir glauben, dass der Mensch nach seinem leiblichen Tod weiterlebt: Seine Seele und sein Geist sterben nicht, seine Persönlichkeit lebt somit weiter. In der jenseitigen Welt kann der Mensch sich für oder gegen Gott entscheiden. Ebendiese Entscheidungsfreiheit eröffnet ihm - selbst wenn sein Leib nicht mehr vorhanden ist - den Zugang zu den Sakramenten.
Gott allein kennt die Seelen, die den Glauben haben, um die Heilshandlungen zu empfangen. Diese Seelen werden dann während des Entschlafenengottesdienstes getauft oder versiegelt. Durch unsere Gebete können wir sie nicht erlösen - nur Jesus kann das -, aber wir können ihnen unsere Liebe bezeugen. Unsere Gebete sind Fürsprachen an Gott, der sie einlädt" (alle Zitate sind entnommen aus den o. g. Leitgedanken resp. aus einer Sondernummer dazu der NAK).

Zum heutigen Sonntag erklingt die Kantate: „O Ewigkeit, du Donnerwort“ (BWV 60) von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Er komponierte sie in Leipzig für den 24. Sonntag nach Trinitatis, den 7. November 1723.

Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet: „Gott ist gegenwärtig“ (T: Gerhard Tersteegen 1729; Joachim Neander 1680).

Kommentar: "Die theologischen und anthropologischen Grundlagen dessen, was die Bibel über den Tod zu sagen hat, sind bereits in Gen 2f, der Erzählung von Schöpfung, Paradies und Vertreibung erkennbar: Die Menschen sind aus Erde geschaffen und werden im Tode unentrinnbar wieder zu Erde. Belebt allein durch den Atem Gottes, der ihnen nicht untersteht, aber geschaffen für ein Leben im Paradies mit 'dem Baum des Lebens', aus dem sie jedoch vertrieben wurden, ist die Perspektive dauerhaften und gelingenden Lebens für sie unaufgebbar, aber immer schon verloren und nicht in ihrer, sondern allein in der Macht Gottes" (Crüsemann & Crüsemann: Stichwort: Tod, 586. Aus: Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, 2009, 586-589).
Mehr als diesen Hoffnungsschimmer, mehr als diese Hoffnungsahnung haben wir nicht. Sie heißt im biblischen Kontext "ewiges Leben" und "Auferweckung der Toten." Diese Hoffnung schafft eine "Beziehung zur Unendlichkeit" und begründet eine Erinnerungskultur oder "Erinnerungssolidarität" (Thiemo Rainer Peters: Stichwort: Tod/Ewiges Leben, 328. In: Eicher: Neues Handbuch theologischer Grundbegriffe, Bd. 4, 2005, 321-328).
Alles andere ist Diesseits. Das Reich Gottes, und somit die Ewigkeit, ist nach der Lehre Jesu ein diesseitiges Reich, ein Reich, das sich jetzt ereignet. Ein Reich, das sich im solidarischen Handeln mit Bezug auf Gott ereignet. Das Zeichen dafür ist die eigene Existenz - mit allem Gelingen, Scheitern, Aufgeben, Neuanfangen. So hat also ein jegliches seine Zeit und Stunde:
"Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit" (Prediger 3, 2-8, LUT 2017).

Samstag, 29. Oktober 2016

23. Sonntag nach Trinitatis; mit einem Kommentar über die Leitgedanken der NAK zum 30. Oktober 2016


Die Kirche in der Welt

„Die Frage, ob man dem Staat Steuern zahlen solle oder nicht, steht am 23. Sonntag nach Trinitatis im Vordergrund. Die Kirche weiß, dass sie in dieser Welt nur Gast ist und daher auch Freiheit ihr gegenüber hat. Zugleich aber, da wir in dieser Welt leben, haben wir eine Verantwortung für sie wahrzunehmen, indem wir mit unserem Gebet für sie eintreten. Ein Staat aber, der den Menschen nicht achtet und ihm seine Würde nimmt, handelt entgegen dem Evangelium und wird daher auch von der Gemeinde Jesu zur Änderung seines Tuns aufgerufen werden“ (www.daskirchenjahr.de).

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir Ps 125:
Deine behütende Nähe - Die auf den Herrn hoffen
Wer sein ganzes Vertrauen auf Gott setzt, wird seinen Lebensweg nicht verlieren, sondern in deiner Hand bleiben, lieber Gott, wie alles bleibt, was du als dein Hoheitsgebiet erklärt hast. Wie wir umgeben sind von schützenden Mauern, so sind wir umwoben von deinen liebenden Kräften jetzt und alle Zeit. Dagegen kommen die Selbstsüchtigen nicht an. Lieber Gott, die Gewissheit, von dir mit so viel Kraft beschenkt zu werden, tut unendlich gut. Wer deinen Weg verlässt, hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Der Frieden aber, deine behütende Nähe und unsere Hoffnung auf Leben, wachsen in der Gemeinde (Peter Spangenberg (2013): Höre meine Stimme. Die Psalmen)

Die Evangeliumslesung für den heutigen Sonntag steht in Mt 22, 15-22:
Die Frage nach der Steuer für den Kaiser
Daraufhin beschlossen die Pharisäer, Jesus mit einer verfänglichen Frage in die Falle zu locken. Sie schickten ihre Jünger zu Jesus und auch einige Parteigänger von Herodes; die sagten zu ihm: »Lehrer, wir wissen, dass es dir nur um die Wahrheit geht. Du lehrst klar und deutlich, wie wir nach Gottes Willen leben sollen. Denn du lässt dich nicht von Menschen beeinflussen, auch wenn sie noch so mächtig sind. Nun sag uns deine Meinung: Ist es nach dem Gesetz Gottes erlaubt, dem römischen Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?« Jesus erkannte ihre böse Absicht und sagte: »Ihr Scheinheiligen, ihr wollt mir doch nur eine Falle stellen! Zeigt mir eins von den Geldstücken, mit denen ihr die Steuer bezahlt.« Sie gaben ihm eine Silbermünze, und er fragte: »Wessen Bild und wessen Name sind denn hier aufgeprägt?« »Das Bild und der Name des Kaisers«, antworteten sie. Da sagte Jesus: »Dann gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, - aber gebt Gott, was Gott gehört!« Solch eine Antwort hatten sie nicht erwartet. Sie ließen Jesus in Ruhe und gingen weg. (GNB)

Die Leitgedanken der NAK für den 23. Sonntag noch Trinitatis tragen die Überschrift „Unser Dienst für Lebende und Tote“

Die Predigtgrundlage findet sich in „Kol 3, 12: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.“ (LUT)

Begründet wird die Auswahl so: „Zur Vorbereitung für den Entschlafenengottesdienst am letzten Sonntag im Oktober ist es hilfreich, die Sonderausgabe Nr. 2 der Leitgedanken zum Gottesdienst zu lesen. Durch unsere Gebete können wir die Entschlafenen nicht erlösen, wir können ihnen aber unsere Liebe bezeugen. Die im Leben eingenommene Stellung zu Gott kann immer noch positiv durch Hinwendung zu ihm verändert werden. Dazu wollen wir Lebenden und Toten im Vorbild und in der Fürbitte dienen. (…)

Ausführungen: Durch die Taufe sind wir in den Leib Christi eingefügt worden, wir sind mit Christus begraben worden und mit ihm auferstanden (Röm 6,4). Wir haben die Gabe des Heiligen Geistes empfangen und bereiten uns auf die Wiederkunft Christi vor. Im Kolosserbrief wird deutlich gemacht, dass aus diesem Geschehen eine Aufgabe entspringt: „Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes“ (Kol 3,1). An dem, der sucht, was „droben ist“, zeigen sich die Eigenschaften, die im Bibelwort erwähnt werden: „herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.“ Jede dieser Eigenschaften steht in Beziehung zum Nächsten, dem man in dieser Weise begegnen und dienen soll. Derjenige, der es ernst meint mit seinem Glauben, wendet sich auch seinem Nächsten zu. Im Bibelwort sind zunächst einmal die Lebenden gemeint, doch wissen wir, dass auch Entschlafene unserer Zuwendung bedürfen“ (alle Zitate sind entnommen aus den o. g. Leitgedanken der NAK).

Zum heutigen Sonntag erklingt die Kantate: „Wohl dem, der sich auf seinen Gott“ (BWV 139) von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Er komponierte die Choralkantate 1724 in Leipzig für den 23. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 12. November 1724 erstmals auf. Sie basiert auf dem Kirchenlied von Johann Christoph Rube (1692).

Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet: „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ (T: Johann Jakob Schütz 1675; Johann Crüger 1653).

Kommentar: Mit der Überschrift "Steuern zahlen ist gut, Gottes Gebote halten ist besser" führt Berger (2012) aus: "(...). Ertrag: Jesus verkündet die Herrschaft Gottes. Sie ist jetzt verborgen und wird demnächst offenbar. Ihr Kommen vollzieht sich unter diesen beiden Erscheinungsformen. Die Herrschaft Gottes relativiert zwar jede irdische Herrschaft. Aber da sie eine Herrschaft der Gerechtigkeit ist, bejaht Jesus die allgemeinen sozialen Pflichten. Weil man diesen Satz: 'Gebt jedem, was ihr ihm schuldig seid und was ihm gebührt (Röm 13, 7) als ein Stück Gottesherrschaft auch ein Respektieren der bürgerlichen Pflichten. Sie hebt diese Pflichten nicht auf, sondern fordert sie geradezu, wenn sie denn Ausdruck vor Gerechtigkeit im Sinne des Erhalts des Sozialwesens sind. Weil also die Herrschaft Gottes, von der Jesus spricht, diesen wichtigen und wesentlichen moralischen Aspekt besitzt, deshalb ist Steuerzahlen geboten. Wo es aber nicht um die moralische Regelung des Miteinanders geht, sondern um Religion, da muss der Ansatz Jesu jeden religiösen Anspruch der Staatsgewalt auf Anbetung oder auch nur Verehrung ablehnen. Die Herrschaft Gottes umschließt und begrenzt daher menschliche Ordnung" (Berger, 2012, A, 253f).

Zur Sonderlehre des Entschlafenenwesens der NAK habe ich in diesem Blog bereits verschiedene Ausführungen gemacht. Derzeit fordert die Kirchenleitung der NAK offenbar recht offensiv, neben dem Bekenntnis zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, das Bekenntnis zu ihren Sonderlehren (Propria) ein. Auf kritische Anmerkungen zu den Sonderlehren begegnet die Kirchenleitung zunehmend ungeduldig und z. T. sogar unbarmherzig. Es entsteht nach innen der Eindruck, als würden diese derzeit geschärft wieder in den Vordergrund gerückt und so der Annäherungsprozess an die großen deutschen christlichen Kirchen zumindest verlangsamt, wenn nicht gar unterbunden werden soll. Siehe dazu die Posts in diesem Blog "In eigener Sache I und II."
Neu ist, dass in der oben angesprochenen "Sondernummer 2" Literaturangaben zu diesem Thema gemacht werden. Im einzelnen sind dies:
Merklein, Helmut; Gielen, Marlis: Der erste Brief an die Korinther. Kapitel 11, 2–6, 24. Gütersloh 2005, S. 332. Marlis Gielen, geb. 1959 ist Professorin für Neutestamentliche Bibelwissenschaft an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Salzburg.
Art. „Tod“. In: Handbuch theologischer Grundbegriffe. Bd. 4. München 1970, S. 243. Hierbei scheint es sich um ein erstmals 1962 erschienenes Werk herausgegeben von Heinrich Fries zu handeln.