Samstag, 14. April 2018

Miserikordias Domini - Nun jauchzt dem Herren alle Welt

Der gute Hirte


Das Lied zum Sonntag Miserikordias Domini Ostersonntag (https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/#2018-34-0) „Nun jauchzt dem Herren alle Welt“ ist die Nr. 288 im Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG) und die Nr. 327 im Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche (NGB).

Lieder, die auch zu diesem Tag gehören wie z. B. „Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden ist“ (EKG 107) befindet sich nicht im NGB.

„Nun jauchzt dem Herren alle Welt“ ist ein Lied von Cornelius Becker. Cornelius Becker (* 24. Oktober 1561 in Leipzig; † 25. Mai 1604 ebenda) war ein deutscher lutherischer Theologe und Kirchenlieddichter.

Es umfasst 7 Strophen, von denen 4 (1-3 und 6) in das NGB übernommen wurden. In beiden Gesangbüchern findet sich die Textbearbeitung von David Denicke (1646).

Eine beeindruckende Parodie der Strophe 3 hat Eingang in das NGB gefunden. Der Gute Hirte Jesus Christus wird in Strophe drei zu „seinen Schafen“. Damit wird die Gemeinde oder, im Verständnis der NAK, die neuapostolischen Christen, in den Mittelpunkt dieser Strophe gestellt und damit Jesus an den Rand gedrängt. Die Lehre von Amt- und Kirche bedingt diese Textanpassung (vergl. dazu Obst, 1996, 177ff). Auch die Nicht-Berücksichtigung der Strophe 5 ist dem spezifischen Amts- und Kirchenverständnis der NAK geschuldet. 

1) Nun jauchzt dem Herren alle Welt!
Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt,
kommt mit Frohlocken, säumet nicht,
kommt vor sein heilig Angesicht.

2) Erkennt, dass Gott ist unser Herr,
der uns erschaffen ihm zur Ehr,
und nicht wir selbst: durch Gottes Gnad
ein jeder Mensch sein Leben hat.

3) Wie reich hat uns der Herr bedacht,
der uns zu seinem Volk gemacht;
als guter Hirt ist er bereit, [zu Schafen, die]
zu führen uns auf seine Weid.

4) Die ihr nun wollet bei ihm sein,
kommt, geht zu seinen Toren ein
mit Loben durch der Psalmen Klang,
zu seinem Vorhof mit Gesang.

5) Dankt unserm Gott, lobsinget ihm,
rühmt seinen Namen mit lauter Stimm;
lobsingt und danket allesamt.
Gott loben, das ist unser Amt.

6) Er ist voll Güt und Freundlichkeit,
voll Lieb und Treu zu jeder Zeit.
Sein Gnad währt immer dort und hier [sein Gnade währet]
und seine Wahrheit für und für.

7) Gott Vater in dem höchsten Thron
und Jesus Christus, seinen Sohn,
den Tröster auch, den Heilgen Geist,
im Himmel und auf Erden preist.

Dienstag, 10. April 2018

Quasimodogeniti - Auf, auf, mein Herz mit Freuden


Die neue Geburt (Der Osterzweifel)


Zu dem ersten Sonntag nach Ostern (https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/#2018-33-0) findet sich kein Lied im NGB. 

Ich empfehle Paul Gerhardts 1647 geschriebenes Lied "Auf, auf, mein Herz mit Freuden."

Das Stichwort "Zweifel" findet sich weder im Sachregister noch im Glossar des KNK.

Im Zweifel hilft das "Vater Unser", das die GSB wie folgt übersetz:

"Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel,
dein Name werde geheiligt.
Deine gerechte Welt komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf der Erde.
Das Brot, das wir brauchen,
gib uns heute.
Erlass uns unsere Schulden, wie auch wir denen vergeben,
die uns etwas schuldig sind.
Führe uns nicht zum Verrat an dir,
sondern löse uns aus dem Bösen."

Auf, auf, mein Herz mit Freuden.

Ostersonntag - Gelobt sei Gott im höchsten Thron


Franz Friedrich: Kreuzweg (http://www.auferstehung-christi-rottweil.de/kirchen/auferstehung-christi/kunst-und-liturgie/liturgischer-rundgang/index.html)

Das Wunder der Auferstehung (Die Auferstehung Jesu)


Das Lied zum Ostersonntag (https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/#2018-31-0) „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“ ist die Nr. 103 im Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG) und die Nr. 59 im Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche (NGB).

Lieder, die auch zu diesem Tag gehören wie z. B. „Auf, auf, mein Herz mit Freuden“ (EKG 112) oder „Christ lag in Todesbanden“ (EKG 101) befinden sich nicht im NGB.

„Gelobt sei Gott im höchsten Thron“ ist ein Lied von Michael Weiße.
Michael Weiße (* um 1488 in Neisse, Fürstentum Neisse; † 19. März 1534 in Landskron, Königreich Böhmen) war zunächst Franziskaner in Breslau und nach 1518 Prediger der Unität der Böhmischen Brüder. Zudem verfasste er theologische Schriften und Kirchenlieder, die von ihm teilweise vertont wurden.

Das Lied umfasst 6 Strophen, von denen 2 in das NGB übernommen wurden (1 + 4). Die Strophe 3 und 4 des NGB sind Variationen von Gustav Mankel. Gustav Mankel (* 28. Juli 1907 in Iserlohn; † 1987) war ein neuapostolischer Geistlicher, Liederdichter und Komponist. Mankel war sieben Jahre ehrenamtlich als Bezirksältester (Leiter eines Kirchenbezirks der Neuapostolischen Kirche) in Köln tätig. Er schrieb zahlreiche Liedertexte für den gottesdienstlichen Gebrauch.

„Gelobt sei Gott im höchsten Thron“ beginnt als Erzähllied, insofern es die Hauptaussagen der synoptischen Evangelien über das Ostergeschehen wiedergibt. Doch dann folgt die Selbstaussage der christlichen Gemeinde als Antwort auf das Ostergeschehen (Strophen 5 und 6). In der Version des NGB ist dieser Ablauf nicht erkennbar. Die Strophen 3 und 4 lassen sich als Selbstaussage der Neuapostolischen Kirche als Antwort auf das Ostergeschehen lesen. Hier wird bereits ein Ausblick auf die Himmelfahrt Jesu und auf die kollektive Himmelfahrt der neuapostolischen Christen genommen, die sich selber als "Brautgemeinde" versteht (vergl. KNK, 10.1.3). Dies Parodie des Liedes ist wie schon "Wie schön leuchtet der Morgenstern" ein weiteres Beispiel dafür, wie in der Neuapostolischen Kirche mit Lieder verkürzt werden und an die Sonderlehren dieser Kirche angepasst werden. Vorgeschlagen wird das Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche von 2004 zu überarbeiten und die Texte den Originalen anzugleichen. Ehrlicher wäre es, diejenigen Lieder, die den Propria der NAK nicht entsprechen, auch nicht in eine Neuauflage zu übernehmen.

1) Gelobt sei Gott im höchsten Thron
samt Seinem eingebornen Sohn,
der für uns hat genug [Großes] getan.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

2) Des Morgens früh am dritten Tag,
da noch der Stein am Grabe lag,
erstand er frei ohn alle Klag.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

3) Der Engel sprach: "Nun fürcht' euch nicht;
denn ich weiß wohl, was euch gebricht.
Ihr sucht Jesus, den find't ihr nicht."
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

4) "Er ist erstanden von dem Tod,
hat überwunden alle Not;
kommt, seht, wo Er gelegen hat.“ [versühnet Sünd und Missetat]
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

5) Nun bitten wir Dich, Jesu Christ,
weil Du vom Tod erstanden bist,
verleihe, was uns selig ist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

6) O mache unser Herz bereit,
damit von Sünden wir befreit
Dir mögen singen allezeit:
Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Variante des NGB:

3) Ein ewig Heil durch Jesus Christ
dem Sünder nun geworden ist;
ihm ist der Himmel aufgetan.
Halleluja, …


4) O Herr mach unser Herz bereit,
führ gnädig uns aus dieser Zeit
und schenk uns deine Herrlichkeit!
Halleluja, …

Freitag, 23. März 2018

Karfreitag - O Haupt voll Blut und Wunden


Gekreuzigt und gestorben (Jesu Tod am Kreuz)


Das Lied zum Karfreitag (https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/#2018-28-0) „O Haupt voll Blut und Wunden“ ist die Nr. 85 im Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG) und die Nr. 43 im Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche (NGB).

Lieder, die auch zu diesem Tag gehören wie z. B. „O Mensch bewein dein Sünde groß“ (EKG 76) oder „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (EKG 83) befinden sich nicht im NGB.

„O Haupt voll Blut und Wunden“ ist ein Lied von Paul Gerhardt.
Paul Gerhardt (* 12.3.1607 in Gräfenhainichen; † 27.5.1676 in Lübben) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. Zum Weiterlesen: Christian Brunners (2007): Paul Gerhardt. Weg-Werk-Wirkung. 4. Auflage.

Das Lied umfasst 10 Strophen, von denen 5 (1-2, 4, 9-10) in das NGB übernommen wurden. Die Strophen 5 und 7 fanden beispielsweise auch nicht Eingang in das Gesangbuch der Katholischen Kirche („Gotteslob“). Der Text der aufgenommenen Strophen blieb unverändert und orientiert sich an der Fassung im EKG. 

Gerhardt schuf mit "O Haupt voll Blut und Wunden" ein "Kunstwerk ersten Ranges" (ebenda, 155). Kunstvoll erreicht er eine emotionale Einfühlung in den leidenden Jesus und eine meditative Zuwendung zu ihm. Eine gekürzte Übernahme in ein Kirchengesangbuch kommt einem Sakrileg gleich.

1.
O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret:
gegrüßet seist du mir!
2.
Du edles Angesichte,
davor sonst schrickt und scheut
das große Weltgewichte:
wie bist du so bespeit,
wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet,
so schändlich zugericht’?
3.
Die Farbe deiner Wangen,
der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen;
des blassen Todes Macht
hat alles hingenommen,
hat alles hingerafft,
und daher bist du kommen
von deines Leibes Kraft.
4.
Nun, was du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last;
ich hab es selbst verschuldet,
was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer,
der Zorn verdienet hat.
Gib mir, o mein Erbarmer,
den Anblick deiner Gnad.
5.
Erkenne mich, mein Hüter,
mein Hirte, nimm mich an.
Von dir, Quell aller Güter,
ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich gelabet
mit Milch und süßer Kost,
dein Geist hat mich begabet
mit mancher Himmelslust.
6.
Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinen Arm und Schoß.
7.
Es dient zu meinen Freuden
und tut mir herzlich wohl,
wenn ich in deinem Leiden,
mein Heil, mich finden soll.
Ach möcht ich, o mein Leben,
an deinem Kreuze hier
mein Leben von mir geben,
wie wohl geschähe mir!
8.
Ich danke dir von Herzen,
o Jesu, liebster Freund,
für deines Todes Schmerzen,
da du’s so gut gemeint.
Ach gib, dass ich mich halte
zu dir und deiner Treu
und, wenn ich nun erkalte,
in dir mein Ende sei.
9.
Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir,
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.
10.
Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod,
und lass mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Palmarum - Dein König kommt in niedern Hüllen

Thraupis palmarum (eine südamerikanische Sperlingsart)


Der Schmerzensmann (Jesu Einzug in Jerusalem)


Das Lied zum 6. Sonntag der Passionszeit - Palmarum - (https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/#2018-26-0) „Dein König kommt in niedern Hüllen“ ist die Nr. 14 im Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG) und die Nr. 41 im Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche (NGB).

Lieder, die auch zu diesem Sonntag gehören wie z. B. „Jesus zieht in Jerusalem ein (EKG 314), „Jesu, deine Passion“ (EKG 88) oder Dü schöner Lebensbaum des Paradieses (EKG 96) befinden sich nicht im NGB.

„Dein König kommt in niedern Hüllen“ ist ein Lied von Friedrich Johann Michael Rückert (* 16. Mai 1788 in Schweinfurt; † 31. Januar 1866 in Neuses (heute Teil von Coburg). Rückert war ein deutscher Dichter, Sprachgelehrter und Übersetzer sowie einer der Begründer der deutschen Orientalistik.

Das Lied umfasst 6 Strophen, von denen 3 (1-3) in das NGB übernommen wurden. Der Text der dritten Strophe im NGB ist dabei eine Kombination aus Versen der 3. Originalstrophe und der 6. Strophe des Originals. Der letzte Vers der 3. Strophe bezieht sich in seiner Formulierung auf die neuapostolische Eschatologie, die 2004 (Erscheinungsdatum des heute noch gültigen NGB) die Exklusivität hinsichtlich der Erwählung der neuapostolischen Christen stark hervorhebt (vergl. dazu Obst, 1996, insb. Kap. 2.5, 137-151 und Fincke & Pöhlmann, 2004, 143ff). Heute hat die NAK eine veränderte Sicht auf die eigene Eschatologie, was in der Konsequenz auch zu einer Überarbeitung des NGB führen müsste (vergl. KNK). 


1) Dein König kommt in niedern Hüllen,
ihn trägt der lastbarn Es’lin Füllen,
empfang ihn froh, Jerusalem!
Trag ihm entgegen Friedenspalmen,
bestreu den Pfad mit grünen Halmen;
so ist’s dem Herren angenehm.



2) O mächt’ger Herrscher ohne Heere,
gewalt’ger Kämpfer ohne Speere,
o Friedefürst [Friedensfürst] von großer Macht!
Es wollen dir der Erde Herren
den Weg zu deinem Throne sperren,
doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.



3) Dein Reich ist nicht von dieser Erden,
doch aller Erde Reiche werden
dem, das du gründest, untertan.
Bewaffnet mit des Glaubens Worten [o lass dein Licht auf Erden siegen,]
zieht deine Schar nach allen Orten [die Macht der Finsternis erliegen]
der Welt hinaus und macht dir Bahn. [und führ die Deinen himmelan]



4) Und wo du kommst herangezogen,
da ebnen sich des Meeres Wogen,
es schweigt der Sturm, von dir bedroht.
Du kommst, dass auf empörter Erde
der neue Bund gestiftet werde,
und schlägst in Fessel Sünd und Tod.



5) O Herr von großer Huld und Treue,
o komme du auch jetzt aufs neue
zu uns, die wir sind schwer verstört.
Not ist es, dass du selbst hienieden
kommst, zu erneuen deinen Frieden,
dagegen sich die Welt empört.



6) O lass dein Licht auf Erden siegen,
die Macht der Finsternis erliegen
und lösch der Zwietracht Glimmen aus,
dass wir, die Völker und die Thronen,
vereint als Brüder wieder wohnen
in deines großen Vaters Haus.