Montag, 4. Dezember 2017

2. Advent - Wie soll ich dich empfangen

Der kommende Erlöser (Gericht und Erlösung)


Das Lied "Wie soll ich dich empfangen" ist die Nr. 11 im Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG) und die Nr. 3 im Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche (NGB).

Lieder, die auch zu diesem Sonntag gehören wie "O Heiland, reiß die Himmel auf" (EKG 7) und "Nun komm, der Heiden Heiland" (EGK 4) befinden sich gar nicht im NGB.

"Wie soll ich dich empfangen" wurde 1653 von Paul Gerhardt geschrieben.

Paul Gerhardt (* 12.3.1607 in Gräfenhainichen; † 27.5.1676 in Lübben) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. Zum Weiterlesen: Christian Brunners (2007): Paul Gerhardt. Weg-Werk-Wirkung. 4. Auflage.

1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.

3. Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud,
als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid?
Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht.

4. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los;
ich stand in Spott [Sünd] und Schanden, du kommst und machst mich groß
und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut,
das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.

5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt
als das geliebte Lieben, damit du alle Welt
in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast,
die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.

6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer,
bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr;
seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür;
der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

7. Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.

8. Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sünden Schuld;
nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld.
Er kommt, er kommt den Sündern zu Trost und wahrem Heil,
schafft, dass bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil.

9. Was fragt ihr nach dem Schreien der Feind und ihrer Tück?
Der Herr wird sie zerstreuen in einem Augenblick.
Er kommt, er kommt, ein König, dem wahrlich alle Feind
auf Erden viel zu wenig zum Widerstande seind.

10. Er kommt zum Weltgerichte: zum Fluch dem, der ihm flucht,
mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht.
Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal
zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal.


Das Lied ist in den ersten 4 Strophen nahezu unverändert in das NGB aufgenommen worden. Lediglich das Wort "Spott" wurde durch das Wort "Sünde" ersetzt. Diese Änderung erschließt sich mir nicht. Die Strophen 5-10 haben keinen Eingang in das NGB gefunden.

"Die 2. Liedhälfte beginnt mit ernsten Tönen. Der Mensch wird sein Leben vor der Zukunft Gottes zu verantworten haben. Dennoch herrschen Ermunterung und Tröstung vor. Menschen und Gemeinde dürfen, sollen ihre von Gott her gewandelte Situation erkennen und ausleben" (Brunners, 2007, 142).

Die Eschatologie der NAK kennt einen klaren Zeit- und Ablaufplan (vergl. dazu KNK). Darin ist für die "Braut Christi" ein "Weltgerichte" nicht vorgesehen. Neuapostolische Christen glauben, dass sie zur "Braut Christi" gehören werden. Strophen, die sich mit dem "Weltgerichte" beschäftigen, bleiben darum unberücksichtigt. Auch eine zu starke Verschränkung der Weihnachtsbotschaft mit der Passionsgeschichte trübt sowohl die Weihnachtsstimmung als auch die endzeitliche Freude.

Sonntag, 3. Dezember 2017

1. Advent - Macht hoch die Tür



Der kommende Herr (Der Einzug Jesu)


Das Lied "Macht hoch die Tür" ist die Nr. 1 im Evangelischen Kirchengesangbuch (EKG) und die Nr. 1 im Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche (NGB).

Lieder, die auch zu diesem Sonntag gehören wie "Tochter Zion" (EKG 13) und "Nun jauchzet all, ihr Frommen (EKG 9) finden sich auch im NGB unter den Nummern 4 und 2. "Dein König kommt in niedern Hüllen (EKG 14) ist im NGB hingegen nicht enthalten.

"Macht hoch die Tür" wurde 1623/1642 Georg Weissel verfasst.

Georg Weissel (* 1590 in Domnau, Ostpreußen; † 1. August 1635 in Königsberg (Preußen)) war ein evangelischer Pfarrer und Kirchenliederdichter. Weissel studierte Theologie und Musik an der Albertus-Universität, unter anderem bei den Musikern Johann Eccard und Johann Stobäus. Nach einer Tätigkeit als Rektor in Friedland (Ostpreußen) wurde er am 3. Advent 1623 zum ersten Pfarrer an der Altroßgärter Kirche in Königsberg ordiniert (Quelle: Wikipedia. Download vom 27.11.17).

Dem Lied liegt der 24. Psalm zugrunde.

Psalm 24: Einzug in das Heiligtum
Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet. Wer darf auf des HERRN Berg gehen, und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug: der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heiles. Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, das da sucht dein Antlitz, Gott Jakobs. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre. (LUT)


Version der NAK

Version EKG
1) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit       
1) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König, aller Königreich,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt!
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich an Gnad.
mein Schöpfer reich von Rat.

2) Er ist gerecht, ein Helfer wert,
2) Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein’ Königskron ist Heiligkeit,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt!
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß an Tat.
mein Heiland groß von Tat.

3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
3) O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
die diesen König bei sich hat!
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein!
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
Gelobet sei mein Gott,
mein Trost in Not und Tod.
mein Tröster früh und spat.


4) Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,

eu'r Herz zum Tempel zubereit'.

Die Zweiglein der Gottseligkeit

steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;

so kommt der König auch zu euch,

ja, Heil und Leben mit zugleich.

Gelobet sei mein Gott,

voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

5) Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
5) Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
die Herzenstür dir offen ist.
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach, zieh mit deiner Gnade ein,
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein’ Freundlichkeit auch mir erschein,
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
dein Heil’ger Geist mich führ und leit
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ew’gen Seligkeit.
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr!
sei ewig Preis und Ehr.


Die NAK übernimmt nur vier der fünf Strophen in ihr Gesangbuch.
In der dritten Strophe kommt es im letzten Vers zu einer Überbetonung des Leidens und zur Erwähnung von Tod und Sterben. Dies scheint der Überbetonung des eschatologischen Aspektes in den Lehren der NAK geschuldet. Es wird der Aspekt des Trostes und die gnädige Zuwendung Gottes zu den Menschen in den Hintergrund gestellt.
Statt die Gemeinde anzusprechen wird in der 4. resp. 5. Strophe des Liedes in der NAK-Version der Einzelne, das Individuum angesprochen. Nicht die Gemeinde wartet auf den Herrn, sondern der Einzelne. In der letzten Strophe kommt es im Original zu einem Perspektivwechsel vom Individuum hin zur Gemeinde. Dieser Wechsel fehlt in der Lied-Variation im Gesangbuch der NAK. Selig wird der Einzelne und die Gemeinde. Zum Einzelnen in der Gemeinde kommt der Herr. Er zieht in die Herzen und in die Gemeinde ein. Advent wird gemeinsam begangen.

Sonntag, 26. November 2017

In eigener Sache




Liebe Leserinnen und Leser,


seit dem 16. April 2012 betreibe ich diesen Blog. Ich poste wöchentlich und kommentiere dabei die Handreichungen für die neuapostolischen Laienprediger, wie sie von der Neuapostolischen Kirche International vorgegeben werden. Sie werden "Leitgedanken" genannt. Sie sollen dazu dienen, dass die Lehre der Neuapostolischen Kirche möglichst einheitlich verbreitet wird.

Insgesamt wurde die Seite bisher 53967 mal aufgerufen und im vergangenen Kirchenjahr 4990 mal. Im letzten Monat verzeichnete ich 983 Aufrufe (Stand: 26.11.16).
In dem vergangenen Kirchenjahr sind 56 Post entstanden. Die Zugriffe zu den einzelnen Post liegen zwischen 38-171. Allwöchentlich wurden die Posts im Durchschnitt von ca. 90 Menschen gelesen.

Die Veröffentlichung fand in der Regel 1-7 Tage vor dem jeweiligen Gottesdienst statt, als persönliche "Handreichung" sozusagen, da die "Leitgedanken" theologisch doch oft recht "dünn" sind mit einem starken Bezug zu den neuapostolischen Sonderlehren (Propria) die, im vergangenen Jahr noch stärker an Bedeutung gewonnen haben. Somit grenzt sich die Neuapostolische Kirche derzeit wieder deutlicher von den beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland ab. Andererseits orientierten sich die Leitgedanken thematisch sehr am evangelischen Kirchenjahr, ohne dies für die Leser und die Gläubigen in jedem Fall transparent zu machen.

Besonders erschreckend war, dass sich die Leitgedanken mit keinem Wort auf die Lutherdekade, auf das Lutherjahr oder das Lutherjubiläum bezogen haben. Eine Würdigung fand dort zumindest nicht statt. Auch bezieht sich die Neuapostolische Kirche im deutschsprachigen Raum nach wie vor auf die Luther-Bibel von 1984 (andere deutschsprachige Bibelübertragungen haben in der NAK traditionell keine Bedeutung) und vollzieht die Neuübertragung von 2017 nicht mit. Hier wurden große Chancen verpasst.

So fand im vergangenen Jahr gleichzeitig eine Annäherung und Distanzierung von der EKD statt. Dies ist dem ökumenischen Dialog nicht förderlich und stellt innerkirchlich einen starken Konflikt dar.

Mein Streit mit der Kirchenleitung 2016/2017 führte schließlich im Februar 2017 zu meinem Austritt aus der Neuapostolischen Kirche.

Im neuen Kirchenjahr werde ich meinen Blog weiterführen. Ich werde mich dabei nicht mehr auf die Predigtgrundlage für die Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche („Leitgedanken“) beziehen.

Stattdessen werde ich allwöchentlich die Lieder aus dem Neuapostolischen Gesangbuch bezüglich der Texte analysieren, die in der Regel mit dem Parodieverfahren auf die Propria hin verändert wurden. Als Quellen dienen mir dabei: "Lied trifft Text" - Eine Arbeitshilfe zur Gottesdienstgestaltung mit dem Evangelischen Gesangbuch - von Dörte Maria Packeiser u. a. herausgegeben und im Gesangbuchverlag Stuttgart im Jahre 2000 erschienen, das Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche von 2004 und das Evangelische Gesangbuch der nordelbischen Kirche von 2001.

Die Veröffentlichungen finden weiterhin 1-7 Tage vor den jeweiligen Sonntagen statt.

Bei allen Leserinnen und Lesern bedanke ich mich für das Interesse und wünsche Ihnen / Euch weiterhin anregende Gedanken. 


Matthias Schröter

Samstag, 25. November 2017

Letzter Sonntag des Kirchenjahres - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 26.11.2017

Die ewige Stadt


Wochenspruch: Lk 12, 35:
„Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen!“ (LUT)
„Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen! “ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 126
Der Herr erlöst seine Gefangenen
Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan! Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben. (LUT)

Im Mittelpunkt der Verkündigung am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres steht die Parabel aus Mt 25, 1-13: „Von den klugen und törichten Jungfrauen.“ Zur Deutung verweise ich auf Moises Mayordomo (2007): Kluge Mädchen kommen überall hin… (Von den zehn Jungfrauen). Aus: Zimmermann (Hg.): Kompendium der Gleichnisse Jesu. 488-503.

Die Predigtgrundlage der NAK vom 26.11.2017 ist aus „Römer 5,1.2: Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herr­lichkeit, die Gott geben wird“ (LUT1984). Dieser Vers steht in dieser Wortumgebung:

Friede mit Gott
Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn gerettet werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind. Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben. (LUT)

Die Auswahl des Predigttextes in den Gottesdiensten der NAK für den heutigen Sonntag wird so begründet: „Der letzte Sonntagsgottesdienst im Kirchenjahr hat die zukünftige Herrlichkeit zum Thema. Neuapostolische Christen erfüllt die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi. Erwartungsfroh bereiten sie sich täglich auf dieses Ereignis und ihre Zukunft vor. Das künftige Reich Gottes beginnt mit der Hochzeit des Lammes, wird im Friedensreich gegenwärtig und in der neuen Schöpfung vollendet sein und ewigen Bestand haben“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 11/17, 3). Weiter heißt es: „Apostel Paulus charakterisiert die Existenz der Christen als ewiges Leben im Frieden mit Gott, das allein aus dem Glauben an Jesus als dem Gekreuzigten, Auferstandenen und Wiederkommenden gewirkt wird“ (ebd., 19).

Kommentar:
Es klingt so, als sei die evangelische und die neuapostolische Seteriologie ( = Lehre vom Heil) deckungsgleich. Sie lässt sich pragmatisch knapp mit den 4 "Allein-Worten" zusammenfassen:
  • allein Gott/Christus (soli deo/solus Christus)
  • allein durch die Schrift (sola scriptura)
  • allein durch den Glauben (sola fide)
  • allein durch die Gnade (sola gratia).

Berücksicht man jedoch aktuelle Predigtasussagen des neuapostolischen Apostels Schneider und stellt sie den Inhalten der Leitgedanken gegenüber, ergibt sich ein anderes und damit auch verwirrenderes Bild:
„‚Jesus ist mitten unter uns!‘ Er ist nicht ‚im Himmel‘, er ist wirklich gegenwärtig unter uns. Jesus wirkt in seiner Kirche. Hier hören wir sein Wort, hier haben wir Gemeinschaft mit ihm. Jesus wirkt und bereitet mich auf seine Wiederkunft vor. Deswegen komme ich zur Kirche, um sein Wort zu hören und ganz nahe bei ihm zu sein. Wo das göttliche Leben in uns pulsiert, haben wir das Bedürfnis, in den Gottesdienst zu kommen, um sein Wort zu hören und Gemeinschaft mit ihm zu haben. Schließlich, wenn die Gemeinde Abendmahl feiert, bekennt sie auch ihren Glauben an das Apostolat, weil der Herr den Aposteln gesagt hat: ‚So oft ihr das tut, tut es zu meinem Gedächtnis.‘ Den lebenden Aposteln gab er die Verantwortung, den Auftrag, Heiliges Abendmahl zu feiern. Nur wo lebende Apostel wirken, ist Leib und Blut Jesu wirklich präsent. Das ist unser Glaube. Wenn wir Heiliges Abendmahl feiern, sagt die Kirche den Menschen und dem Geist von unten: ‚Ich glaube, dass die Apostel vom Herrn Jesus gesandt sind.‘ Deshalb folge ich ihnen nach. (...) Und wo das Amt wirkt, da ist Jesus wirklich präsent in der Gemeinde“ (Aus einer Predigt des neuapostolischen Apostels Schneider vom 12.1.16 in Yamoussoukro/Elfenbeinküste).

Diese Doppelzüngigkeit ist im ökumenischen Dialog und in der Kommunikation mit den eigenen Mitgliedern wenig förderlich.

Sonntag, 12. November 2017

Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 19.11.2017


Weltgericht


Wochenspruch: 2. Kor 5, 10a:
„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ (LUT)
„Wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 50
Der rechte Gottesdienst
Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein gewaltiges Wetter. Er ruft Himmel und Erde zu, dass er sein Volk richten wolle: »Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.« Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter. »Höre, mein Volk, lass mich reden; / Israel, ich will wider dich zeugen: Ich, Gott, bin dein Gott. Nicht deiner Opfer wegen klage ich dich an – sind doch deine Brandopfer immer vor mir. Ich will von deinem Hause Stiere nicht nehmen noch Böcke aus deinen Ställen. Denn alles Wild im Walde ist mein und die Tiere auf den Bergen zu Tausenden. Ich kenne alle Vögel auf den Bergen; und was sich regt auf dem Felde, ist mein. Wenn mich hungerte, wollte ich dir nicht davon sagen; denn der Erdkreis ist mein und alles, was darauf ist. Meinst du, dass ich Fleisch von Stieren essen wolle oder Blut von Böcken trinken? Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde, und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.« Aber zum Frevler spricht Gott: / »Was redest du von meinen Geboten und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht hassest und wirfst meine Worte hinter dich? Wenn du einen Dieb siehst, so läufst du mit ihm und hast Gemeinschaft mit den Ehebrechern. Deinen Mund lässest du Böses reden, und deine Zunge treibt Falschheit. Du sitzest und redest wider deinen Bruder; deiner Mutter Sohn verleumdest du. Das tust du und ich schweige; da meinst du, ich sei so wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen. Begreift es doch, die ihr Gott vergesset, dass ich nicht hinraffe, und kein Retter ist da! Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.« (LUT)

Im Mittelpunkt der Verkündigung am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres steht die Mt 25, 31-46:

Vom Weltgericht
Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 19.11.2017 ist aus „2. Korinther 1, 7: Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.“ (LUT1984). Dieser Vers steht in dieser Wortumgebung:

Lob Gottes für Trost in Bedrängnis
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil. Denn wir wollen euch, Brüder und Schwestern, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asia widerfahren ist, da wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, sodass wir auch am Leben verzagten; und wir dachten bei uns selbst, zum Tode verurteilt zu sein. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird. Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten. Dazu helft auch ihr durch eure Fürbitte für uns, damit von vielen auf vielfältige Weise um unsertwillen Dank dargebracht werde für die Gabe, die uns gegeben ist. (LUT)
Die Auswahl des Predigttextes in den Gottesdiensten der NAK für den heutigen Sonntag wird so begründet: „Im dritten Sonntagsgottesdienst [im November] wird die Hoffnung des Glaubenden angesprochen, der sich in Not befindet. Den größten Trost empfangen wir in Jesu Auferstehung vom Tod und in der Verheißung seines Wiederkommens. Mit dem Gekreuzigten leiden wir, wenn wir trotz allen Schmerzes treu bleiben, auch wenn wir das Handeln Gottes dabei nicht verstehen. Paulus versteht die Gemeinde als einen Leib, dessen einzelne Glieder in Freude und Leid miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beistehen“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 11/17, 3). In den Ausführungen zu der Predigtgrundlage wird ein enger inhaltlicher Bezug zu dem Evangelium des Kirchensonntag hergestellt (vergleiche dazu ebenda, 14f).

Kommentar: "Für Matthäus ist die Praxis der Gerechtigkeit die Weise der Lebensgestaltung des Frommen (siehe oben). Paulus verbindet die Diakonie stärker mit der Gottesbeziehung selbst. Der Mensch wird von Gott gerecht gemacht und wird durch diese Tat ein angemessenes Gegenüber. Gerechtigkeit ist so keine isolierte Eigenschaft, sondern eine in der Beziehung zu Gott realisierte wechselseitige Anerkennung. (...) Der Glaube Christi, im Sinne von Treue und Loyalität, und der Glaube des Menschen an Christus, im Sinne von vertrauender Hoffnung, schaffen die Gemeinschaft Gottes mit den Menschen in Gerechtigkeit (2. Kor 5, 21). Die ethischen Anteile, die sonst mit dem Begriff der Diakonie verbunden sind, treten bei Paulus zurück. Die Praxis der Gerechtigkeit kommt über die Gemeinde als Gemeinschaft der gerechtfertigten Sünder wieder ins Spiel und wird als Tun der Tora verstanden" (Klaus Bieberstein & Lukas Bormann, 2009, 202. In: Crüsemann (Hg.): Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel. Stichwort: Gerechtigkeit/Recht, 197-203).