Sonntag, 12. November 2017

Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 19.11.2017


Weltgericht


Wochenspruch: 2. Kor 5, 10a:
„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ (LUT)
„Wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 50
Der rechte Gottesdienst
Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein gewaltiges Wetter. Er ruft Himmel und Erde zu, dass er sein Volk richten wolle: »Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.« Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter. »Höre, mein Volk, lass mich reden; / Israel, ich will wider dich zeugen: Ich, Gott, bin dein Gott. Nicht deiner Opfer wegen klage ich dich an – sind doch deine Brandopfer immer vor mir. Ich will von deinem Hause Stiere nicht nehmen noch Böcke aus deinen Ställen. Denn alles Wild im Walde ist mein und die Tiere auf den Bergen zu Tausenden. Ich kenne alle Vögel auf den Bergen; und was sich regt auf dem Felde, ist mein. Wenn mich hungerte, wollte ich dir nicht davon sagen; denn der Erdkreis ist mein und alles, was darauf ist. Meinst du, dass ich Fleisch von Stieren essen wolle oder Blut von Böcken trinken? Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde, und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.« Aber zum Frevler spricht Gott: / »Was redest du von meinen Geboten und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht hassest und wirfst meine Worte hinter dich? Wenn du einen Dieb siehst, so läufst du mit ihm und hast Gemeinschaft mit den Ehebrechern. Deinen Mund lässest du Böses reden, und deine Zunge treibt Falschheit. Du sitzest und redest wider deinen Bruder; deiner Mutter Sohn verleumdest du. Das tust du und ich schweige; da meinst du, ich sei so wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen. Begreift es doch, die ihr Gott vergesset, dass ich nicht hinraffe, und kein Retter ist da! Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.« (LUT)

Im Mittelpunkt der Verkündigung am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres steht die Mt 25, 31-46:

Vom Weltgericht
Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 19.11.2017 ist aus „2. Korinther 1, 7: Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben.“ (LUT1984). Dieser Vers steht in dieser Wortumgebung:

Lob Gottes für Trost in Bedrängnis
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil. Denn wir wollen euch, Brüder und Schwestern, nicht verschweigen die Bedrängnis, die uns in der Provinz Asia widerfahren ist, da wir über die Maßen beschwert waren und über unsere Kraft, sodass wir auch am Leben verzagten; und wir dachten bei uns selbst, zum Tode verurteilt zu sein. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird. Auf ihn hoffen wir, er werde uns auch hinfort erretten. Dazu helft auch ihr durch eure Fürbitte für uns, damit von vielen auf vielfältige Weise um unsertwillen Dank dargebracht werde für die Gabe, die uns gegeben ist. (LUT)
Die Auswahl des Predigttextes in den Gottesdiensten der NAK für den heutigen Sonntag wird so begründet: „Im dritten Sonntagsgottesdienst [im November] wird die Hoffnung des Glaubenden angesprochen, der sich in Not befindet. Den größten Trost empfangen wir in Jesu Auferstehung vom Tod und in der Verheißung seines Wiederkommens. Mit dem Gekreuzigten leiden wir, wenn wir trotz allen Schmerzes treu bleiben, auch wenn wir das Handeln Gottes dabei nicht verstehen. Paulus versteht die Gemeinde als einen Leib, dessen einzelne Glieder in Freude und Leid miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beistehen“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 11/17, 3). In den Ausführungen zu der Predigtgrundlage wird ein enger inhaltlicher Bezug zu dem Evangelium des Kirchensonntag hergestellt (vergleiche dazu ebenda, 14f).

Kommentar: "Für Matthäus ist die Praxis der Gerechtigkeit die Weise der Lebensgestaltung des Frommen (siehe oben). Paulus verbindet die Diakonie stärker mit der Gottesbeziehung selbst. Der Mensch wird von Gott gerecht gemacht und wird durch diese Tat ein angemessenes Gegenüber. Gerechtigkeit ist so keine isolierte Eigenschaft, sondern eine in der Beziehung zu Gott realisierte wechselseitige Anerkennung. (...) Der Glaube Christi, im Sinne von Treue und Loyalität, und der Glaube des Menschen an Christus, im Sinne von vertrauender Hoffnung, schaffen die Gemeinschaft Gottes mit den Menschen in Gerechtigkeit (2. Kor 5, 21). Die ethischen Anteile, die sonst mit dem Begriff der Diakonie verbunden sind, treten bei Paulus zurück. Die Praxis der Gerechtigkeit kommt über die Gemeinde als Gemeinschaft der gerechtfertigten Sünder wieder ins Spiel und wird als Tun der Tora verstanden" (Klaus Bieberstein & Lukas Bormann, 2009, 202. In: Crüsemann (Hg.): Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel. Stichwort: Gerechtigkeit/Recht, 197-203).

Sonntag, 5. November 2017

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 12.11.2017


Mitten unter uns (Der Friede Christi)


Wochenspruch: 2. Kor 6, 2b:
„Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ (LUT)
„Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung!“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 90
Zuflucht in unserer Vergänglichkeit
Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! Denn tausend Jahre sind vor dir / wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, / sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst, das am Morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt. Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen, und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen. Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz. Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Wer glaubt's aber, dass du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm? Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig! Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden. Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern. Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich / und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern! (LUT)

Im Mittelpunkt der Verkündigung am drittletzten Sonntag des Kirchenjahres steht die Wiederkunft Christi (Lk 17, 20-24):

Vom Kommen des Gottesreiches
Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Vom Tag des Menschensohns
Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 12.11.2017 ist aus „Offenbarung 22,13: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ (LUT1984).
Dieser Vers ist dem letzten Abschnitt der Bibel entnommen:

Der Herr kommt
Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig; und der Herr, der Gott der Geister der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muss. Siehe, ich komme bald. Selig ist, der die Worte der Weissagung in diesem Buch bewahrt. Und ich, Johannes, bin es, der dies gehört und gesehen hat. Und als ich's gehört und gesehen hatte, fiel ich nieder, um anzubeten zu den Füßen des Engels, der mir dies zeigte. Und er spricht zu mir: Tu es nicht! Ich bin dein Mitknecht und der Mitknecht deiner Brüder, der Propheten, und derer, die bewahren die Worte dieses Buches. Bete Gott an! Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung in diesem Buch; denn die Zeit ist nahe! Wer Böses tut, der tue weiterhin Böses, und wer unrein ist, der sei weiterhin unrein; aber wer gerecht ist, der übe weiterhin Gerechtigkeit, und wer heilig ist, der sei weiterhin heilig. Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, einem jeden zu geben, wie sein Werk ist. Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Selig sind, die ihre Kleider waschen, dass sie Zugang haben zum Baum des Lebens und zu den Toren hineingehen in die Stadt. Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und alle, die die Lüge lieben und tun. Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn ihnen jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht. Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, komm, Herr Jesus! Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! (LUT)

Die Auswahl des Predigttextes in den Gottesdiensten der NAK für den heutigen Sonntag wird jedoch so begründet: „Der zweite Sonntagsgottesdienst hat eine Selbstoffenbarung Christi zum Thema: Er beschreibt sich als das A und das O, als Anfang und Ende aller Dinge. Jesus Christus ist Schöpfer und Vollender unseres Heils. Er möge in unseren Herzen den ‚ersten Platz‘ haben, ihm gehört auch das letzte Wort“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 11/17, 3). Jesus Christus wird als „Quelle und Ziel“ des (neuapostolischen) Glaubens bezeichnet (ebd., 11). Ein Bezug zum (evangelischen) Kirchenjahr wird nicht hergestellt.

Kommentar:
Jeder Christ kann und wird die Aussage "Jesus Christus ist die Quelle und das Ziel des Glaubens" unterschreiben und mit "Amen!" und "Halleluja!" bekräftigen.
Doch was ist damit innerhalb der NAK gemeint?
Mitunter geht in dieser Kirche der Bezug zum Evangelium verloren oder wird zumindest stark in den Hintergrund gedrängt wird. Selbst der neuapostolische Apostel Schneider konstatierte in den Leitgedanken 2/15, der Predigtanleitung für die neuapostolischen Laienprediger, ein mangelndes Bibelwissen der Gläubigen und der Amtsträger. 
Nach innen pflegt die Kirche nach wie vor ihren Exklusivitätsanspruch: „Apostelamt und Kirche gehören zusammen. Es macht Kirche erst zur Kirche im Sinne Christi“
(http://neuapostolisch.de/db/199/Apostelamt-und-Kirche-gehoeren-zusammen.-Es-macht-Kirche-erst-zur-Kirche-im-Sinne-Christi).
Derzeit fordert die Kirchenleitung der Neuapostolische Kirche offensiv, neben dem Bekenntnis zum Apostolischen Glaubensbekenntnis ("Jesus Christus ist die Quelle und das Ziel des Glaubens") das Bekenntnis zu ihren Sonderlehren (Propria) ein. Es entsteht nach innen der Eindruck, als sollten diese derzeit geschärft wieder in den Vordergrund gerückt werden (Siehe dazu "Vorwurf Illoyalität" in glaubenskultur.de und die Posts in diesem Blog "In eigener Sache I und II.“)
In diesem Fall wird deutlich, dass die Neuapostolische Kirche derzeit eine starke Verknüpfung vornimmt zwischen dem theologischen Begriff der Nachfolge (Christi) und dem Gehorsam gegenüber dem neuapostolischen Apostelamt. M. E. kommt es nicht nur zu einer Verknüpfung, sondern sogar zu einer Verwechselung respektive zu einer Neuinterpretation und exklusiven Besetzung dieses Begriffes: lediglich ein unbedingter Gehorsam gegenüber der Amtskirche („Loyalität“) wird als „Nachfolge“ angesehen und auch zugelassen. Jesus und Apostelamt fließen fast völlig ineinander. Dies deutete sich bereits bei Amtsantritt des neuapostolischen Apostels Schneider als Kirchenpräsident der Neuapostolische Kirche an: „Wir haben Jesus in den Aposteln gefunden!“ (Funkschmidt, Kai (2013): Neuapostolische Kirche: Stamapostelwechsel in der Neuapostolische Kirche angekündigt. In: Materialdienst der EZW, 3/13, 103f.)
Im neuapostolischen Sinne heißt dann die oben gemachte Aussage eigentlich:
Die (neuapostolischen) Apostel sind Quelle und Ziel des Glaubens.
Dies ist eine gegenläufige Strömung zu den aktuellen ökumenischen Bemühungen der NAK.

Samstag, 28. Oktober 2017

21. Sonntag nach Trinitatis - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 05.11.2017


Die geistliche Waffenrüstung (Kampf und Geist)


Wochenspruch: Röm 12, 21:
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (LUT)
„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 19
Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung und in seinem Gesetz
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern, ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt. Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen die Bahn. Sie geht auf an einem Ende des Himmels / und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen. Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise. Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen. Die Furcht des HERRN ist rein und bleibt ewiglich. Die Rechte des HERRN sind wahrhaftig, allesamt gerecht. Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold, sie sind süßer als Honig und Honigseim. Auch lässt dein Knecht sich durch sie warnen; und wer sie hält, der hat großen Lohn. Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden! Bewahre auch deinen Knecht vor den Stolzen, dass sie nicht über mich herrschen; so werde ich ohne Tadel sein und unschuldig bleiben von großer Missetat. Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes / und das Gespräch meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser. (LUT)
Im Mittelpunkt der Verkündigung am 21. Sonntags nach Trinitatis steht die zentrale Lehraussage des Christentums (Mt 5, 38-48). Siehe dazu auch: https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php?day=694.
Vom Vergelten
Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. 
Von der Feindesliebe
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3. Mose 19,18) und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Die Predigtgrundlage der NAK vom 05.11.2017 ist aus „Psalm 34,19: Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“ (LUT1984). 

Der gesamte Psalm lautet so:
Unter Gottes Schutz
Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen! Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren. Wer ist's, der Leben begehrt und gerne gute Tage hätte? Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. Das Antlitz des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde. Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird. Den Frevler wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld. (LUT)
Die Auswahl des Predigttextes in den Gottesdiensten der NAK für den heutigen Sonntag wird so begründet: „Die Gottesdienste im Monat November thematisieren einen zentralen Aspekt des Glaubens: ‚Christus, unsere Hoffnung.‘ Der Gottesdienst für Entschlafene am ersten Sonntag des Monats zeigt auf, dass die Hoffnung auf Christus nicht am Grab endet. Vielmehr ist Christus auch Heiland für die Toten, der diejenigen rettet, die sich demütig an ihn wenden. Diese Hoffnung wollen wir auch in den Fürbitten für die Entschlafenen ansprechen“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 11/17, 3).

Kommentar: 


20. Sonntag nach Trinitatis - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 29.10.2017


Die Ordnungen Gottes (Gottes gutes Gebot)


Wochenspruch: Mi 6, 8:„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (LUT)„Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: nichts anderes als dies: Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 119, 101-108

Ich verwehre meinem Fuß alle bösen Wege, dass ich dein Wort halte. Ich weiche nicht von deinen Ordnungen; denn du lehrest mich. Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig. Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Ich schwöre und will's halten: Die Ordnungen deiner Gerechtigkeit will ich bewahren. Ich bin sehr gedemütigt; HERR, erquicke mich nach deinem Wort! Lass dir gefallen, HERR, das Opfer meines Mundes, und lehre mich deine Ordnungen. (LUT)

Im Mittelpunkt der Verkündigung am 20. Sonntags nach Trinitatis steht die Frage „Von Ehe und Ehescheidung“ nach Mk 10, 1-12.

Die Predigtgrundlage der NAK vom 29.10.2017 ist aus „2. Könige 5,14: Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben und er wurde rein.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist einer Wunderheilungsgeschichte entnommen: Elisa heilt den aramäischen Feldhauptmann Naaman (2. Könige 5, 1-19).

Die Auswahl des Predigttextes in den Gottesdiensten der NAK für den heutigen Sonntag wird so begründet: „Der letzte Sonntagsgottesdienst im Oktober dient der Vorbereitung auf den Gottesdienst für Entschlafene. Der Schwerpunkt liegt auf Gedanken, wie wir das Heil in Christus verkündigen können – in der diesseitigen und für die jenseitige Welt“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 10/17, 3).

Kommentar:
Zahlen in der Bibel meinen keine Anzahl, sondern werden als Symbole verwendet. Die Zahl Sieben ist in der babylonischen und israelitischen Religion das Zeichen der Ganzheit, der Fülle und Vollkommenheit. Die sieben Augen für Jahwe in Sacharia 3, 7-9 sind ein Hinweis auf Gottes Allgegenwart und Allwissenheit. 


Sonntag, 15. Oktober 2017

19. Sonntag nach Trinitatis - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 22.10.2017


Heilung an Leib und Seele


Wochenspruch: Jer 17, 14
„Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.“ (LUT)
„Heile mich, Herr, so bin ich heil, hilf mir, so ist mir geholfen; ja, mein Lobpreis bist du.“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 32
Die Freude der Buße (Der zweite Bußpsalm)
Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist! Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst; darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen. Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann. Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, / den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiss anlegen muss; sie werden sonst nicht zu dir kommen. Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen. Freuet euch des HERRN und seid fröhlich, ihr Gerechten, und jauchzet, alle ihr Frommen. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 22.10.2017 ist aus „Matthäus 6, 33: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist Teil der sogen. Bergpredigt und steht in dieser Wortumgebung (Mt 6, 19-34):
Vom Schätzesammeln und Sorgen
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. (LUT)

Kommentar:
Die Bibelauslegung in den Leitgedanken erscheint etwas willkürlich, zumindest aber verkürzt. Eine deutlich stimmigere Interpretation bietet Fiedler an.