Montag, 30. Dezember 2013

Kommentar zu den LG vom 01.01.2014

Vorwort: Da der Altjahrabend (Silvester) kein eigener Festtag der Kirche ist, sondern ein Tag, der in die Zeit des Christfestes einzuordnen ist und auch der Neujahrstag als Jahresanfang eher als profaner Feiertag anzusehen ist, werde ich die Leitgedanken der NAK vom 1.1. mit Blick auf die Beschneidung und Namensgebung Jesu hin kommentieren. Vom etwa 6 bis in das 17. Jh. hinein wurde der Jahresanfang in diesem Sinne begangen und gefeiert (vergl. Senftleben, Mit dem Kirchenjahr leben, 1988).

Predigtgrundlage für die Gottesdienste der NAK ist: Gal 6, 2: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
Die Leitgedanken für die Predigt haben die Überschrift: "Mit Liebe ans Werk!"

Als Kernbotschaft wird folgendes formuliert: „Wir bereiten uns auf die Wiederkunft Christi vor, indem wir Liebe walten lassen."

Die Bibelstelle wird in den folgenden Kontext gestellt: “Paulus spricht am Ende seines Briefs an die Galater von den praktischen Konsequenzen, die das 'Leben im Geist' (5, 25) hat. Hilfsbereitschaft und Solidarität gehören zum Christsein. Das 'Gesetz Christi' ist die Forderung nach Gottes- und Nächstenliebe.“

Schließlich werden die LG so zusammengefasst:
"Die Last des anderen zu tragen ist Teil unserer Vorbereitung auf die Wiederkunft Christi.
  • Wir kommen den Leidgeprüften zu Hilfe.
  • Wir sind solidarisch.
  • Wir setzen uns im Werk Gottes ein.
  • Wir tun Gutes in unserem Umfeld.
  • Wir sind bereit, zu vergeben" (alle Zitate aus den o. g. LG).

Im Gal geht es in den Kap. 1-4 um einen Konflikt zwischen Heidenchristen und Judenchristen, der sich um die Bedeutung der Beschneidung dreht. Die Judenchristen forderten von den Heidenchristen sich zusätzlich zur Taufe mit der Empfangnahme des Heiligen Geistes beschneiden zu lassen. Die Judenchristen konnten sich eine Zugehörigkeit zum Gott Israels und zu Jesus Christus gar nicht anders vorstellen als durch die Beschneidung. "Paulus sieht in dieser Absicht den Nerv 'seines' Evangeliums getroffen. Denn eine über den Glauben an Jesus Christus hinausgehende Zulassungsbedingung zu Christus konnte er nicht akzeptieren (...). Sich nach Empfang der (Geistes-) Taufe nachträglich beschneiden zu lassen, würde darauf hinauslaufen, alle bisher empfangenen Gaben des Christentums, alle Geistesgaben und alle Freiheit aufzugeben," zugunsten eines überkommenen Ritus' (aus: Berger und Nord, Das neues Testament und frühchristliche Schriften, 2001). "In Christus ist die Grenze zwischen Beschneidung und Unbeschnittenheit soteriologisch überwunden, es gilt eine neue Schöpfung (Gal 6, 15)" (aus: Wischmeyer, Paulus, 2006, 214).

Die (evangelische) Seteriologie ( = Lehre vom Heil) lässt sich pragmatisch knapp mit den 4 "Allein-Worten" zusammenfassen:
  • allein Gott/Christus (soli deo/solus Christus)1
  • allein durch die Schrift (sola scriptura)
  • allein durch den Glauben (sola fide)
  • allein durch die Gnade (sola gratia).
Am Schluss des Gal (Kap. 5-6) geht es um eine Normengebung und um Grundlinien einer christlichen Ethik, die ihre Mitte in der Liebe hat. Mit dem Gebot der Liebe kann das ganze Gesetz erfüllt werden (siehe dazu: 1. Kor 13: "Das Hohelied der Liebe").

Am 01.01.2014 feiern wir den Tag der Beschneidung und Namensgebung Jesu. JHWH ist der Name Gottes. Er kann mit „ich werde da sein“ übersetzt werden. Daraus wurde der hebräische Name „jascha“ = helfen, retten, befreien abgeleitet resp. gebildet. Jesus bedeutet dann: Gott ist da. Er ist die Hilfe, das Heil und die Rettung.
Siehe dazu auch Mt, 1, 23: „Seht, die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und sie werden ihn beim Namen Immanuel rufen, das bedeutet: Gott ist mit uns“ (zitiert aus: Bibel in gerechter Sprache, 2006).

Der Wochenpsalm im Ablauf des (ev.) Kirchenjahres bleibt mit Ps 71, 14-18 gültig stehen (siehe Kommentar zu den LG vom 29.12.2013). Der Tagespsalm (Ps 8) wird aus den o. g. Gründen an dieser Stelle nicht zitiert.

Die Lesung aus dem Evangelium findet sich bei Lk 2, 21: "Und als sich acht Tage erfüllt hatten, fand die Beschneidung statt. Und er erhielt den Namen Jesus, welcher vom Engel genannt worden war, noch bevor er im Bauch empfangen worden war" (zitiert aus: Bibel in gerechter Sprache, 2006).

Die Beschneidung geht als Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem auserwähltem Volk auf Gen 17, 9-14 zurück. Jesus selbst bezieht sich auf die Beschneidung bei der Einsetzung des Herrenmahls: "Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird" (Lk 22, 20). Blut symbolisiert die Heiligkeit des Lebens. Es ist die Verkörperung der Seele und der Sitz des Charakters/der Persönlichkeit. Beim Trinken des Blutes geht die Persönlichkeit (sein Denken, Handeln und Fühlen) auf einen anderen Menschen über: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm" (Joh 6, 56). Im neuen Bund wird nicht mehr das eigene Blut vergossen, sondern Christi Blut ein für alle Mal (s. o.). Christi Leib und Blut ist uns geschenkt ("sola gratia"). Dem gnädigen Schenken und Wirken Gottes können wir am ehesten durch gläubiges Empfangen und nicht durch aktives Tun "gerecht" werden (vergl. dazu ausführlich: Kroeger, Im religiösen Umbruch der Welt: Der fällige Ruck in den Köpfen der Kirche, 2005, 125ff).

Glauben bedeutet dann: seine von Gott empfangene Persönlichkeit zu sein. So betrachtet, werden wir während der Feier des Heiligen Abendmahls immer wieder neu an diese geschenkte Persönlichkeit erinnert. Psychologisch ausformuliert hat diesen Gedanken Erich Fromm in seinem Buch "Haben oder Sein" aus dem Jahre 1976.



Veröffentlicht am 02.01.2013
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'Fallt mit Danken, fallt mit Loben' ist der Teil IV aus dem Weihnachtsoratorium (BWV 248) von J. S. Bach (1685-1750). Die Kantate ist geschrieben zum Feste der Namensgebung und Beschneidung Christi.
Ausführende sind:
Het Combattimento Consort Amsterdam o.l.v. Jan Willem de Vriendm.m.v. Cappella Amsterdam Andreas Weller, Evangelist Lenneke Ruiten, Sopraan Cécile van de Sant, Alt Alberto ter Doest, Tenor Panajotis Iconomou, BasOpgenomen vrijdag 21 december 2012 om 19.30 in de Grote Kerk in Naarden.



1 Diese Anregung habe ich aus Kroeger, Im religiösen Umbruch der Welt: Der fällige Ruck in den Köpfen der Kirche, 2005, 125ff entnommen.

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