Sonntag, 16. Juli 2017

6. Sonntag nach Trinitatis - Kommentar zur Predigtgrundlage der NAK vom 23.07.2017

Leben aus der Taufe


Wochenspruch: Jes 43, 1:
„Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (LUT)
„Jetzt aber - so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!“ (EU)

Wochenpsalm: Psalm 139:
Gott – allwissend und allgegenwärtig
HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht. Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / da ich im Verborgenen gemacht wurde, da ich gebildet wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Wenn ich aufwache, bin ich noch immer bei dir. Ach, Gott, wolltest du doch den Frevler töten! Dass doch die Blutgierigen von mir wichen! Denn voller Tücke reden sie von dir, und deine Feinde erheben sich ohne Ursache. Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben? Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. (LUT)

Die Predigtgrundlage der NAK vom 16.07.2017 ist aus „Matthäus 7,12: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“ (LUT1984)

Die Predigtgrundlage ist ein Abschnitt aus der sogen. Bergpredigt (Mt 7, 12-24):
Die Goldene Regel. Von den zwei Wegen
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten. Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf ihm hineingehen. Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden! (LUT)




Kommentar:
Das Evangelium für den heutigen Sonntag ist ist bei Mt 25, 16-20 („Der Missions- und Taufbefehl“) zu finden.
Zum Thema Mission verweise ich auf 
in diesem Blog.
Zum Thema Taufe verweise ich auf 
in diesem Blog und auf das Sozialgeschichtliche Wörterbuch zur Bibel (2009), Stichwort "Taufe", 577-581).

Die Auswahl der Predigtgrundlage der NAK am 6. Sonntags nach Trinitatis wird so begründet: „Der letzte Gottesdienst im Juli ist wieder der Bergpredigt - und zwar der sogenannten ‚Goldenen Regel‘ - gewidmet. Unsere Erwartungen an den Nächsten werden angesprochen und zugleich wird deutlich gemacht, dass auch der Nächste an uns Erwartungen haben kann: Wir wollen die Erwartungen, die wir an unseren Nächsten stellen, selbst erfüllen und ihm unsere Liebe erweisen“ (Leitgedanken zum Gottesdienst 7/17, 3).

Es ist heute die Frage zu stellen, wer eigentlich mein "Nächster" ist? Jesus selbst hat diese Frage durch die Parabel vom "Barmherzigen Samariter" universell beantwortet (siehe dazu u. a. Ruben Zimmermann (2007): Berührende Liebe (Der barmherzige Samariter). In: Ders., Kompendium der Gleichnisse Jesu, 538-555).
Im NT finden sich aber auch Hinweise darauf, dass der Nächste vor allem als Mitglied der eigenen Gemeinde verstanden wird.  
"Dieser doppelte Befund im Blick auf die Enge oder Weite des Nächstenverständnisses bündelt brennglasartig eine Entwicklung im frühen Christentum: Für den ältesten Bestand der Jesusüberlieferungen gilt, dass Jesus 'gruppenunspezifisch' redet und handelt. Das Gebot der Feindesliebe begründet er mit dem Verweis auf Gott den Schöpfer, der allen Leben und Lebensgrundlage schenkt. Jesu Tischgemeinschaften spiegeln dies wider. Doch die Glieder der frühen Gemeinden verdanken nun ihre Identität der Erfahrung, durch das Handeln Gottes in Christus zu einer Gott eigenen Gemeinschaft geworden zu sein, die sich von ihrer Umgebung unterscheidet. Von daher rückt die Gestaltung dieser Gemeinschaft praktisch und theoretisch gesprochen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Das - modern gesprochen - diakonische Handeln der Gemeinde gestaltet sich darum zuerst und vor allem als Handeln an Menschen, die ebenfalls dem Christentum angehören." Dieses vorbildliche Tun nach innen begründet den Autoren zu Folge den missionarischen Erfolg des frühen Christentums (Vahrenhorst & Ruwe (2009): Nächste / Nächster. In: Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel, 403-405).

Im Zeitalter der Globalisierung kann Nächstenliebe jedoch nur noch universell und "gruppenunspezifisch" verstanden und gelebt werden ("Zurück zu Jesus"). Das Taufverständnis der christlichen Kirchen verortet das Doppelgebot der Liebe in die "Gemeinschaft mit Christus" (Brosseder, 2005, 256). Die Predigtausführungen der NAK beziehen sich lediglich auf das alltagspraktische Handeln innerhalb der Gemeinde.  

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