Samstag, 26. Dezember 2015

Erster Sonntag nach Weihnachten; mit einem Kommentar zu den Leitgedanken der NAK vom 27. Dezember 2015




Simeon (Simeon und Hanna)


Heute ist der 1. Sonntag nach Weihnachten: Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir Psalm 118, 15-29:
Dankfest der Gemeinde Israels
Lauten Jubel über die Rettung hört man in den Zelten derer, die nach Gottes Willen leben: Die Hand des Herrn vollbringt mächtige Taten! Die rechte Hand des Herrn ist ´siegreich` erhoben, ja, die Hand des Herrn vollbringt mächtige Taten! Ich werde nicht sterben, sondern leben und von den Taten des Herrn erzählen. Der Herr hat mich zwar hart bestraft, aber dem Tod hat er mich nicht preisgegeben. Öffnet mir ´die Tore des Tempels`, die Tore der Gerechtigkeit, ich möchte hindurchgehen und dem Herrn danken! »Das ist das Tor, das dem Herrn gehört. Menschen, die nach Gottes Willen leben, dürfen hindurchgehen.« Ich danke dir, Herr, dass du mich erhört hast und mir zum Helfer wurdest. Der Stein, den die Bauleute für unbrauchbar erklärten, ist zum Eckstein geworden. Das hat der Herr getan, und es ist ein Wunder in unseren Augen. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; heute wollen wir fröhlich jubeln und unsere Freude haben. O Herr, hilf du doch ´auch weiterhin`!O Herr, gib du doch Gelingen! »Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt! Wir segnen euch vom Haus des Herrn aus. Der Herr ist Gott, und er hat uns Licht geschenkt. Tanzt einen festlichen Reigen, mit Zweigen in der Hand, bis dicht an die Hörner des Altars!« Mein Gott bist du, und ich will dir danken, mein Gott, ich will dich preisen! Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, und seine Gnade bleibt für alle Zeiten bestehen! (NGÜ)

Die Lesung aus dem Evangelium findet sich in Lk 2, 22-40:
Jesus erhält seinen Namen und wird im Tempel Gott geweiht
Vierzig Tage nach der Geburt war die Zeit der Unreinheit für Mutter und Kind vorüber, die im Gesetz Moses festgelegt ist. Da brachten die Eltern das Kind in den Tempel nach Jerusalem, um es Gott zu weihen. Denn im Gesetz Gottes heißt es: »Wenn das erste Kind, das eine Frau zur Welt bringt, ein Sohn ist, soll es dem Herrn gehören.« Zugleich brachten sie das Reinigungsopfer, wie es im Gesetz des Herrn vorgeschrieben ist: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
Simeon und Hanna erkennen den Retter und machen ihn bekannt (Der Lobgesang Simeons: Nunc dimittis)
Damals lebte in Jerusalem ein Mann namens Simeon. Er war fromm, hielt sich treu an Gottes Gesetz und wartete auf die Rettung Israels. Er war vom Geist Gottes erfüllt, und der hatte ihm die Gewissheit gegeben, er werde nicht sterben, bevor er den von Gott versprochenen Retter4 mit eigenen Augen gesehen habe. Simeon folgte einer Eingebung des Heiligen Geistes und ging in den Tempel. Als die Eltern das Kind Jesus dorthin brachten und es Gott weihen wollten, wie es nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind auf die Arme, pries Gott und sagte: »Herr, nun kann ich in Frieden sterben, denn du hast dein Versprechen eingelöst! Mit eigenen Augen habe ich es gesehen: Du hast dein rettendes Werk begonnen, und alle Welt wird es erfahren. Allen Völkern sendest du das Licht, und dein Volk Israel bringst du zu Ehren.« Der Vater von Jesus und seine Mutter wunderten sich über das, was Simeon von dem Kind sagte. Simeon segnete sie und sagte zur Mutter Maria: »Dieses Kind ist von Gott dazu bestimmt, viele in Israel zu Fall zu bringen und viele aufzurichten. Es wird ein Zeichen Gottes sein, gegen das sich viele auflehnen werden. So sollen ihre innersten Gedanken an den Tag kommen. Du aber wirst um dieses Kind viele Schmerzen leiden müssen; wie ein scharfes Schwert werden sie dir ins Herz schneiden.« In Jerusalem lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls aus dem Stamm Ascher. Sie war schon sehr alt. Sieben Jahre war sie verheiratet gewesen, und seit vierundachtzig Jahren war sie Witwe. Sie verließ den Tempel nicht mehr und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. Auch sie kam jetzt hinzu und pries Gott. Sie sprach über das Kind zu allen, die auf die Rettung Jerusalems warteten.
Die Rückkehr nach Nazaret
Als Maria und Josef alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie mit Jesus nach Galiläa in ihre Heimatstadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig. Es hatte ein ungewöhnliches Verständnis für den Willen Gottes, und Gottes Liebe ruhte sichtbar auf ihm. (GNB)

Meine Bachkantate (Johann Sebastian Bach 1685-1750) für den heutigen Feiertag ist:
Das neugeborene Kindelein (BWV 122; Textdichter unbekannt; Uraufführung 31.12.1724)

Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet:
Der Morgenstern ist aufgedrungen (Text: 15. Jh.; 2-4 bei Daniel Rumpius, 1587; Melodie: 15 Jh., geistlich bei Daniel Rumpius, 1587)

Demgegenüber ist die Lesung und die Predigtgrundlage für die Gottesdienste der NAK an diesem Sonntag aus Philipper 2,5–7: Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. (LUT)

Kommentar: "Das Nunc dimittis, auch genannt Lobgesang des Simeon bzw. Canticum Simeonis, ist mit dem Magnificat und dem Benedictus einer der drei Lobgesänge (Cantica) des Lukasevangeliums (Lk 2,29-32 EU).

„Nunc dimittis“ beziehungsweise „Nun lässt du [Herr, deinen Knecht]“ sind die Anfangsworte des Lobgesangs des Simeon. Er stammt aus dem biblischen Bericht von der Darstellung des Herrn im Tempel von Jerusalem (Lk 2 EU), nach dem ein sonst im Neuen Testament nicht erwähnter Simeon im Jesuskind den erwarteten Messias erkennt und damit die Erfüllung einer Verheißung, die er persönlich durch den Heiligen Geist erhalten hatte. Nach dieser Verheißung sollte er nicht sterben, bevor seine Augen den Messias gesehen haben.

Bei liturgischer Verwendung schließt sich die kleine Doxologie Ehre sei dem Vater... an

Das Nunc dimittis wird im Stundengebet täglich gesungen. Mit seiner friedvollen Dank- und Abschiedsstimmung gehört es zur Komplet, dem Nachtgebet der Kirche; in der anglikanischen Kirche ist es zusammen mit dem Magnificat Teil des Evensong.
In einigen lutherischen Kirchen wie der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Lutheran Church – Missouri Synod und der ELCA wird das Nunc dimittis auch als Dankgesang als Teil der Postcommunio in der Abendmahlsliturgie verwendet" Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie. Download vom 26.12.15.

Mit der Geschichte von Simeon und Hanna im Tempel, wird bei Lukas erneut die Treue Gottes verherrlicht. Gott hält seine Versprechen.
Die Erzählung verweist m. E. auch auf Gen 8, 22: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (LUT)
Hier schwingt auch Tod und Leben, Geburt und Sterben, Babies und Greise mit. Gott hält im Sohn seine schützende Hand über seine Schöpfung und seine Geschöpfe. 
Das friedvolle: "Nun lässt Du..." fordert jeden Menschen auf, sich mit sich selber zu versöhnen und sich vertrauensvoll auf die Treue Gottes einzulassen: "Er wird's wohl machen" (Ps 37, 5; LUT).

Dienstag, 22. Dezember 2015

Weihnachten 2015 (1. Weihnachtsfeiertag; mit einem Kommentar zu den Leitgedanken der NAK vom 25. Dezember 2015)


Das Kind in der Krippe (Die Menschwerdung Gottes)


Heute ist der 1. Weihnachtsfeiertag: Gottes Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir Lk 1, 46-55:
Da sagte Maria: »Von ganzem Herzen preise ich den Herrn, und mein Geist jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter. Denn er hat mich, seine Dienerin, gnädig angesehen, eine geringe und unbedeutende Frau. Ja, man wird mich glücklich preisen jetzt und in allen kommenden Generationen. Er, der Mächtige, hat Großes an mir getan. Sein Name ist heilig, und von Generation zu Generation gilt sein Erbarmen denen, die sich ihm unterstellen. Mit starkem Arm hat er seine Macht bewiesen; er hat die in alle Winde zerstreut, deren Gesinnung stolz und hochmütig ist. Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt und die Geringen emporgehoben. Den Hungrigen hat er ´die Hände` mit Gutem gefüllt, und die Reichen hat er mit leeren Händen fortgeschickt. Er hat sich seines Dieners, ´des Volkes` Israel, angenommen, weil er sich an das erinnerte, was er unseren Vorfahren zugesagt hatte: dass er nie aufhören werde, Abraham und seinen Nachkommen Erbarmen zu erweisen.« (NGÜ)

Die Lesung aus dem Evangelium findet sich in Lk 2, 15-20:
...von Hirten bekannt gemacht
Als die Engel in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: »Kommt, wir gehen nach Betlehem und sehen uns an, was da geschehen ist, was Gott uns bekannt gemacht hat!« Sie liefen hin, kamen zum Stall und fanden Maria und Josef und bei ihnen das Kind in der Futterkrippe. Als sie es sahen, berichteten sie, was ihnen der Engel von diesem Kind gesagt hatte. Und alle, die dabei waren, staunten über das, was ihnen die Hirten erzählten. Maria aber bewahrte all das Gehörte in ihrem Herzen und dachte viel darüber nach. Die Hirten kehrten zu ihren Herden zurück und priesen Gott und dankten ihm für das, was sie gehört und gesehen hatten. Es war alles genauso gewesen, wie der Engel es ihnen verkündet hatte. (GNB)

Meine Bachkantate (Johann Sebastian Bach 1685-1750) für den heutigen Feiertag ist:
Weihnachtsoratorium (Teil I: Jauchzet, frohlocket; BWV 248)

Mein Lied für das heutige Christfest I lautet:
Brich, an, du schönes Morgenlicht (Text: Johann Rist, 1641; Melodie: Johann Schop, 1641)

Demgegenüber ist die Predigtgrundlage für die Gottesdienste der NAK am 1. Weihnachtsfeiertag aus 1. Joh 4, 14: Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. (LUT)

An diesem Feiertag findet auch eine Lesung statt. Sie steht in Jesaja 9,5.6 und in Galater 4,4–7:
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er‘s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.
Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott. (LUT)

Kommentar: Wie kann man sich im 21. Jahrhundert der Geschichte von der Geburt Jesu im symbolischen Jahre Null nähern? Wie überbrückt man die 2000 Jahre, die zwischen der Geburt des Kindleins in der Krippe und heute liegen? Wie kann ein Mensch der Aufklärung diese Geschichte verstehen? Kann ein westeuropäischer Mensch diese Geschichte überhaupt verstehen, ohne z. B. diese Aufklärung zu missachten, ja zu verraten?
Ein vorschnelles "Ja" führt nur scheinbar weiter. Ein freches "Nein" liegt mir auf der Zunge und ist mir näher.  
Über die Musik versuche ich jedes Jahr die Annäherung an Weihnachten, über mir vertraute Liedtexte und Melodien. Doch die Texte, die mir am liebsten sind, stammen alle eher aus dem 17. Jh. und führen also nicht wirklich weiter.

Ein "aktueller" Text irritiert und hilf vielleicht weiter: Lk 2, 8-11 in der Übertragung der Bibel in gerechter Sprache (GSB): "In jener Gegend gab es auch Hirten und Hirtinnen, die draußen lebten und über ihre Herde in der Nacht wachten. Da trat ein Engel der Lebendigen zu ihnen und der Feuerglanz der Lebendigen umhüllte sie. Sie aber fürchteten sich sehr. Der Engel sprach zu ihnen: 'Fürchtet euch nicht! Denn seht, ich verkündige euch große Freude, die das ganze Volk betreffen wird: Heute ist euch der Gesalbte der Lebendigen, der Retter, geboren worden, hier in der Stadt Davids.'"
Statt "die Lebendige" schlägt die GSB auch "die Ewige", ER-SIE, Ich-bin-da, DU, der Name vor.
So erhält Weihnachten plötzlich etwas Unvertrautes, so bekommt Weihnachten plötzlich eine andere Perspektive, so wird die zuckersüße Weihnachtsbotschaft plötzlich wieder sperrig.

Meine erste Antwort lautet also: Weihnachten im 21. Jahrhundert findet man nicht im Selbstverständlichen, im Vertrauten, im Idyllischen, im Zuckerguss. Wer Weihnachten 2015 erleben will, muss sich auch den Weg machen, auf die Suche begeben, Vertrautes hinter sich lassen, muss sich tastend dem Grund seiner Seele nähern.
"Mein Weihnachten", und so lautet meine zweite Antwort, liegt in dem Satz: "Fürchtet Dich nicht", sagtest Du zu mir, "Ich bin da und ich werde da sein!"
Dem "Gott ist tot!" von Nietzsche kann ich diesen Satz entgegensetzten!
Dem leeren Weltall kann ich diesen Satz entgegensetzen!
Dem Neuronengewirr und -gewitter in meinem Kopf, das keinen Platz lässt für den Geist, setzte ich diesen Satz entgegen. 
Der eigenen Endlichkeit stelle ich diesen Satz gegenüber.
So kann ich Weihnachten feiern und kann mich am "Leben des Brian" genauso erfreuen, wie an dem Gesang der Maria und an dem "schönen Morgenlicht."

Brich an, du schönes Morgenlicht, 
und lass den Himmel tagen! 
Du Hirtenvolk, erschrecke nicht, 
weil dir die Engel sagen, 
dass dieses schwache Knäbelein 
soll unser Trost und Freude sein, 
dazu den Satan zwingen 
und letztlich Frieden bringen.

Freitag, 11. Dezember 2015

Zum 4. Advent (mit einem Kommentar zu den Leitgedanken der NAK vom 20. Dezember 2015)

Die nahende Freude (Maria)


Heute ist der vierte Sonntag des Kirchenjahres - 4. Advent: Ihr seid die Gesandten des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir den Ps 115:
Herr, bereite deinem Namen Ehre!
Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen bereite Ehre! ´Hilf uns` um deiner Gnade und Treue willen! Warum sollten die anderen Völker ´Grund finden zu` sagen: »Wo ist nun ihr Gott?« Unser Gott ist im Himmel! Alles, was ihm gefällt, das führt er auch aus. Die Götzen der fremden Völker hingegen sind Figuren aus Silber oder Gold, ein Machwerk von Menschenhand. Einen Mund haben sie, doch sprechen können sie nicht; Augen haben sie, sehen aber nichts. Ohren haben sie und können nicht hören, sie haben eine Nase und riechen damit nichts. Mit ihren Händen können sie nichts ertasten, mit ihren Füßen nicht einen Schritt gehen, kein Laut kommt aus ihrer Kehle. Genau so ´hilflos` sind die Menschen, die sie angefertigt haben, und jeder, der auf solche Götzen1 vertraut! ´Du aber`, Israel, vertraue auf den Herrn! – Ja, er ist ihre Hilfe und der Schild, der sie schützt. Ihr Nachkommen Aarons, vertraut auf den Herrn! – Ja, er ist ihre Hilfe und der Schild, der sie schützt. Ihr, die ihr Ehrfurcht habt vor dem Herrn, vertraut auf den Herrn! – Ja, er ist ihre Hilfe und der Schild, der sie schützt. Der Herr hat an uns gedacht und wird uns segnen. Er wird alle Israeliten4 segnen, er wird alle Nachkommen Aarons segnen. Er wird die segnen, die Ehrfurcht vor dem Herrn haben, die Kleinen wie die Großen. Der Herr wird euch noch zahlreicher werden lassen, euch und eure Kinder. Ihr seid gesegnet vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Der Himmel gehört allein dem Herrn, die Erde aber hat er den Menschen anvertraut. Die Toten können den Herrn nicht loben – keiner von denen, die in die Stille des Totenreichs hinab müssen. Wir aber, ´die wir leben`, wollen den Herrn preisen, jetzt und in alle Ewigkeit! Halleluja! (NGÜ)

Die Lesung aus dem Evangelium findet sich in Lk 1, 39-56
Maria besucht Elisabet 
Bald danach machte sich Maria auf den Weg und eilte zu einer Stadt im Bergland von Judäa. Dort ging sie in das Haus von Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet ihren Gruß hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde sie vom Geist Gottes erfüllt und rief laut: »Gesegnet bist du von Gott, auserwählt unter allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes! Wie komme ich zu der Ehre, dass die Mutter meines Herrn mich besucht? Ja, das bist du; denn8 in dem Augenblick, als dein Gruß an mein Ohr drang, machte das Kind einen Freudensprung in meinem Leib. Du darfst dich freuen, denn du hast geglaubt, dass sich erfüllen wird, was der Herr dir ankündigen ließ.«
Maria preist Gott (Der Lobgesang Marias: Magnificat)
Maria aber sprach: »Mein Herz preist den Herrn, alles in mir jubelt vor Freude über Gott, meinen Retter! Ich bin nur seine geringste Dienerin, und doch hat er sich mir zugewandt. Jetzt werden die Menschen mich glücklich preisen in allen kommenden Generationen; denn Gott hat Großes an mir getan, er, der mächtig und heilig ist. Sein Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, von einer Generation zur andern. Jetzt hebt er seinen gewaltigen Arm und fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen. Jetzt stürzt er die Mächtigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf. Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort. Er hat an seinen Diener Israel gedacht und sich über sein Volk erbarmt. Wie er es unsern Vorfahren versprochen hatte, Abraham und seinen Nachkommen für alle Zeiten.« (GNB)

Meine Bachkantate (Johann Sebastian Bach 1685-1750) für den heutigen Sonntag ist:
Bereitet die Wege, bereitet die Bahn (mit Texten von S. Franck aus dem Evangelischen Andachts-Opffer, Weimar 1715)

Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet:
Es kommt ein Schiff, geladen (Text: Daniel Sudermann um 1629 nach einem Marienlied aus Strassburg 15. Jh.; Melodie: Köln 1608)

Demgegenüber ist die Lesung und gleichzeitig Predigtgrundlage für die Gottesdienste der NAK am 4. Advent aus Johannes 21,15: Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! (LUT)

Kommentar: Das kann als „nahende Freude“ am Vorabend des Weihnachtsfestes angesehen werden: sein Erbarmen hört niemals auf. Gott verschenkt sich in seinem Sohn an die Menschen. Vergessen wir nie diese Freigiebigkeit.



Stanford - Magnificat & Nunc dimittis in C

Samstag, 5. Dezember 2015

Zum 3. Advent (mit einem Kommentar zu den Leitgedanken der NAK vom 13. Dezember 2015)

Der Vorläufer des Herrn (Johannes der Täufer)


Heute ist der dritte Sonntag des Kirchenjahres - 3. Advent: Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir den Ps 85:
Bitte um neue Gnade für Gottes Volk
Herr, du hattest Gefallen an deinem Land, die Nachkommen Jakobs hast du aus der Gefangenschaft befreit. Du hast die Schuld deines Volkes vergeben und alle ihre Sünden zugedeckt. Deinen Groll hast du beendet, hast abgelassen von deinem glühenden Zorn. Richte uns nun wieder auf, Gott, der uns Rettung schenkt! Setz deinem Unwillen gegen uns doch ein Ende! Oder willst du ewig aufgebracht sein über uns? Willst du zornig auf uns sein – jetzt und in allen künftigen Generationen Willst du uns nicht wieder neues Leben schenken, damit dein Volk sich über dich freuen kann? Lass uns deine Gnade erfahren, Herr, und schenke uns Rettung. Ich will hören, was Gott, der Herr, sagt. Frieden verspricht er seinem Volk, all denen, die ihm treu sind. Nur sollen sie nicht wieder in ihre verhängnisvollen Fehler zurückfallen! Ja, nahe ist seine Rettung denen, die in Ehrfurcht vor ihm leben. Seine Herrlichkeit soll wieder Wohnung nehmen in unserem Land. Dann begegnen einander Gnade und Wahrheit, dann küssen sich Gerechtigkeit und Friede. Treue wird aus der Erde sprießen und Gerechtigkeit herabschauen vom Himmel. Der Herr wird uns mit allem Guten beschenken, und unser Land wird seinen Ertrag bringen. Gerechtigkeit wird vor unserem Gott hergehen, und er wird sie Schritt um Schritt zu seinem Weg ´für uns` machen. (NGÜ)

Die Lesung aus dem Evangelium findet sich in Mt 11, 2-10
Die Anfrage des Täufers Johannes
Der Täufer Johannes hatte im Gefängnis von den Taten gehört, die Jesus als den versprochenen Retter auswiesen; darum schickte er einige seiner Jünger zu ihm. »Bist du wirklich der, der kommen soll«, ließ er fragen, »oder müssen wir auf einen anderen warten?« Jesus antwortete ihnen: »Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden gesund, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird die Gute Nachricht verkündet. Freuen darf sich, wer nicht an mir irrewird!«
Jesus spricht über Johannes
Als die Abgesandten des Täufers wieder weggegangen waren, fing Jesus an, zu der Menge über Johannes zu sprechen: »Als ihr in die Wüste zu ihm hinausgezogen seid, was habt ihr da erwartet? Etwa ein Schilfrohr, das jedem Wind nachgibt? Oder was sonst wolltet ihr sehen? Einen Menschen in vornehmer Kleidung? Solche Leute wohnen in Palästen! Also, was habt ihr erwartet? Einen Propheten? Ich versichere euch: Ihr habt mehr gesehen als einen Propheten! Johannes ist der, von dem es in den Heiligen Schriften heißt: ›Ich sende meinen Boten vor dir her, sagt Gott, damit er den Weg für dich bahnt.‹ (GNB)

Meine Bachkantate (Johann Sebastian Bach 1685-1750) für den heutigen Sonntag ist:
Ärgre dich, o Seele, nicht (BWV 186a; Musik verschollen) mit Texten von S. Franck aus den Evangelischen Sonn- und Feiertags-Andachten (Weimar 1717)

Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet:
Mit Ernst, o Menschenkinder (Melodie: Lyon 1557; Geistlich Erfurt 1563; Text: Valentin Thilo 1642; Strophe 4 Lüneburg 1657)

Die Lesung und gleichzeitig Predigtgrundlage für die Gottesdienste der NAK am 3. Advent ist aus Jes 11, 2–4a : Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. [...] Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten. (LUT)

Kommentar: In dem ausgewählten Bibelabschnitt, der die Predigtgrundlage für die Gottesdienste in der NAK ist, kündigt Jesaja den Messias an, der für die Christenheit Jesus von Nazareth ist. Somit findet ein thematischer Rückbezug auf den 2. Advent des Kirchenjahres statt, der mit „der kommende Herr“ überschrieben war (siehe Post vom 6. Dezember 2015 in diesem Blog).

Die vollständige Kapitel 11 lautet in der Übertragung durch die Einheitsübersetzung (EU):
Die Ankündigung des messianischen Reiches
Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. [Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] Er richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er, sondern er richtet die Hilflosen gerecht und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes. Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, Treue der Gürtel um seinen Leib. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig. An jenem Tag wird der Herr seine Hand von neuem erheben, um den übrig gebliebenen Rest seines Volkes zurückzugewinnen, von Assur und Ägypten, von Patros und Kusch, von Elam, Schinar und Hamat und von den Inseln des Meeres. Er stellt für die Völker ein Zeichen auf, um die Versprengten Israels wieder zu sammeln, um die Zerstreuten Judas zusammenzuführen von den vier Enden der Erde. Dann hört der Neid Efraims auf, die Feinde Judas werden vernichtet. Efraim ist nicht mehr eifersüchtig auf Juda und Juda ist nicht mehr Efraims Feind. Sie stoßen nach Westen vor wie im Flug, den Philistern in die Flanke; vereint plündern sie die Völker des Ostens aus. Sie ergreifen Besitz von Edom und Moab, die Ammoniter müssen ihnen gehorchen. Der Herr trocknet die Bucht des ägyptischen Meeres aus; er schwingt in glühendem Zorn seine Faust gegen den Eufrat und zerschlägt ihn in sieben einzelne Bäche, sodass man in Sandalen hindurchgehen kann. So entsteht eine Straße für den Rest seines Volkes, der übrig gelassen wurde von Assur, eine Straße, wie es sie für Israel gab, als es aus Ägypten heraufzog.

In den Kap. 1-12 wird das Thema Gericht und Heil präsentiert. Dabei ist eine Spannung zwischen sündiger Gegenwart und gottgefälliger Zukunft auffällig. Im Zentrum des prophetischen Buches stehen die Abschnitte Jes 6,1-8,18, die sogenannte Immanuelschrift. Im oben zitierten Abschnitt wird beschrieben, dass die Herrschaft des Messias nicht durch Gewalt, sondern durch die göttlichen Geistesgaben zur Sicherung des Weltfriedens geprägt ist. In der kommenden Welt lebt ein Friede, der alle tödlichen Feindschaften in ein einträchtiges Zusammenleben verwandelt. Nicht Frieden und Gerechtigkeit , sondern das Böse und die Gewalt werden zu einer Denkfigur des Unmöglichen, zu einer Utopie, für die kein Platz mehr ist (vergl. Ulrich Berges, 2014, Jesaja, 61-71).

Wenden wir uns nun dem Evangelium für den heutigen Sonntag und damit der Anfrage des Johannes zu.
Wer kennt sie nicht, diese Zweifel von denen Johannes spricht? Heute ist diese Frage des Johannes jedoch absoluter, radikaler zu stellen: Kommt der Herr überhaupt erneut? Gilt der Abschnitt aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis "von dort wird er wiederkommen" noch? Kann der moderne Mensch dies denn heute noch glauben? Dürfen wir auf eine Wiederkunft des Messias heute noch hoffen? Was bedeutet dies heute für uns? Dieses Problem wird in der Theologie als "Parusieverzögerung" bezeichnet.Unstrittig ist, dass der Kosmos auf einen "Punkt Omega" zugeht, dass das Sonnensystem, so wie wir es heute kennen, endlich ist. Astronomen gehen davon aus, dass unser Sonnensystem etwa 4,46 Milliarden Jahre alt ist und ungefähr noch die gleiche Zeit vor sich hat. Das gesamte Weltall ist demgegenüber etwa 13,8 Milliarden Jahre alt (vergl. dazu: Stephen Hawking, Eine kurze Geschichte der Zeit, 1988/2015). Wer wollte angesichts dieser Dimensionen von einer "Verzögerung" sprechen? Diese Antwort wird jedoch dem Menschen nicht gerecht.

Wie kann dann eine Antwort der Seelsorge auf diese drängende Frage aussehen?
Wir können zu dem Evangelium des heutigen Sonntags zurückkehren. Jesus verweist in seiner Antwort an Johannes explizit auf die sogen. "Seligpreisungen:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet (EU, Mt 5, 3-12).

Ich verstehe die "Seligpreisungen" so: Jesus Christus weiß, dass der Reichtum ungerecht verteilt ist und dass es zwischen Menschen Unterschiede gibt; Jesus Christus kennt Trauer und lebt in einem Umfeld, dass von Gewalt und Unfrieden geprägt ist. Er weiß von Ungeduld und Unsicherheit und kennt Zweifel. Dem setzt er sein "Programm" der Barmherzigkeit, der Zuversicht und Friedfertigkeit entgegen. Wenn wir Menschen es schaffen, "reinen Herzens" zu leben, dann schauen wir Gott oder, um in dem Thema der Parusie zu bleiben, dann kommt Gott - täglich neu.
Diese Antwort gibt Jesus von Nazareth auch Johannes: Gott ist da, der Messias ist gekommen.
Diese Antwort gibt der Glaube uns auch heute: Gott ist da, der Messias kommt täglich wieder, in den gerechten, barmherzigen, tröstenden, friedvollen Taten des Menschen am Menschen ereignet er sich täglich neu, "denn das Reich Gottes ist mitten unter euch (oder besser: innerhalb von euch oder inwendig in euch)" (Lk 17, 21). Zu den "Seligpreisungen" siehe auch die Ausführungen von Fiedler, 2006, 107-109.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Zum 2. Advent (mit einem Kommentar zu den Leitgedanken der NAK vom 06. Dezember 2015)

Der kommende Erlöser (Gericht und Erlösung)





Heute ist der zweite Sonntag des Kirchenjahres - 2. Advent: Gott Zebaoth, tröste uns wieder; lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.

Der Monatsspruch für den Dezember 2015 ist aus Jes 49, 13: Jauchzt, ihr Himmel, freue dich, Erde! Lobt, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. 

Im Verlauf der fortlaufenden Bibellese hören wir den Ps 80:
Gebet für Israel, den Weinstock Gottes
Du Hirte Israels, der du die Nachkommen Josefs führst wie ein Hirte seine Herde, höre uns doch! Du, der du thronst über den Kerub-Engeln, erscheine in deinem herrlichen Glanz! Vor den Augen der Stämme Efraïm, Benjamin und Manasse lass deine Kraft wirksam werden und komm uns zu Hilfe! Gott, richte uns wieder auf! Wende uns dein Angesicht freundlich zu, damit wir gerettet werden! Herr, du allmächtiger Gott, wie lange hüllst du dich noch in Zorn, während dein Volk zu dir betet? Du gibst ihnen immer noch Brot zu essen, das von ihren Tränen benetzt ist. Und voller Tränen ist auch der Becher, den du ihnen zum Trinken reichst. Du hast uns zum Zankapfel für unsere Nachbarvölker gemacht, und unsere Feinde spotten über uns. Allmächtiger Gott, richte uns wieder auf! Wende uns dein Angesicht freundlich zu, damit wir gerettet werden! Einen Weinstock hast du aus Ägypten herausgeholt, fremde Völker hast du ´aus Israel` vertrieben und ihn ´an ihrer Stelle` eingepflanzt. Du gabst ihm weiten Raum, er schlug Wurzeln und breitete sich aus im ganzen Land. Sein Schatten bedeckte die Berge, seine Ranken die mächtigen Zedern des Libanon. Er streckte seine Zweige aus bis ans Meer und seine jungen Triebe bis hin zum Eufrat. Warum aber hast du seine schützende Mauer niedergerissen, so dass nun alle, die vorbeikommen, seine Früchte und Zweige abreißen können? Die Wildschweine aus dem Wald fressen ihn kahl, und die Tiere des Feldes weiden ihn ab. Du allmächtiger Gott, kehr doch zu uns zurück; schau vom Himmel herab und sieh dir alles an! Kümmere dich doch wieder liebevoll um diesen Weinstock! Umhege und schütze ihn, den du selbst gepflanzt hast, den jungen Spross, den du für dich hast stark werden lassen! Teile deines Weinstocks sind verbrannt, andere wurden abgeschnitten – dein Volk geht zugrunde, solange du deinen Blick voller Zorn auf sie richtest. Halte doch deine mächtige Hand schützend über den König, der an deiner rechten Seite sitzt, über den Menschen, den du für dich hast stark werden lassen. Dann werden wir uns nicht mehr von dir abwenden. Schenk uns neues Leben, und wir werden deinen Namen wieder anrufen. Herr, du allmächtiger Gott, richte uns wieder auf! Wende uns dein Angesicht freundlich zu, damit wir gerettet werden! (NGÜ)

Die Lesung aus dem Evangelium findet sich in Lk 21, 25-33:
Der Weltrichter kommt
»Unheil kündende Zeichen werden zu sehen sein an der Sonne, am Mond und an den Sternen, und auf der Erde werden die Völker zittern und nicht mehr aus und ein wissen vor dem tobenden Meer und seinen Wellen. Die Menschen werden halb tot vor Angst darauf warten, was für Katastrophen die Erde noch heimsuchen werden. Denn die ganze Ordnung des Himmels wird zusammenbrechen. Dann kommt der Menschensohn auf einer Wolke mit göttlicher Macht und Herrlichkeit, und alle werden ihn sehen. Wenn ihr die ersten Anzeichen von alldem bemerkt, dann richtet euch auf und erhebt freudig den Kopf: Bald werdet ihr gerettet!«
Das Gleichnis vom Feigenbaum
Jesus gebrauchte einen Vergleich; er sagte: »Seht den Feigenbaum an oder die anderen Bäume! Wenn die ersten Blätter herauskommen, dann erkennt ihr daran, dass der Sommer bald da ist. So ist es auch, wenn ihr diese Anzeichen seht. Dann wisst ihr, dass die neue Welt Gottes anbricht. Ich versichere euch: Diese Generation wird das alles noch erleben. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht; sie bleiben gültig für immer und ewig.« (GNB)

Meine Bachkantate (Johann Sebastian Bach 1685-1750) für den heutigen Sonntag ist:
Wachet! betet! betet! wachet! (BWV 70a) mit einem Texten von S. Franck aus den Evangelischen Sonn- und Feiertags-Andachten (Weimar 1717)

Mein Lied für den heutigen Sonntag lautet:
O Heiland, reiß die Himmel auf (Melodie: Köln 1638, Augsburg 1666; Text: Friedrich Spee 1622)

Kommentar: Die schönste Stelle in diesem Bibelabschnitt ist der V28: „Richtet euch auf und erhebt freudig den Kopf.“ und im Ps 80 steht, wer dies tun kann und wird: „Herr, du allmächtiger Gott, richte uns wieder auf!“
Erhobenen Hauptes dürfen wir dem Herrn entgegen gehen. Und erhobenen Hauptes dürfen wir einander in der Nachbarschaft und in der Gemeinde begegnen. Erhobenen Hauptes kann man sich in die Augen sehen und sich aufeinander beziehen. Im aufrechten Gang erleben wir Heil und Gesundung. In der Psychologie (Transaktionsanalyse von T. Berne) wurde diese Begegnung in prägnanter Weise als „ICH BIN OK und DU BIST OK“ beschrieben.
Als Symbol dieses aufrechten Ganges bietet uns das Evangelium den Feigenbaum an, der den Jahreszeitenwechsel ankündigt und, im metaphorischen Sinne, eine Änderung der Verhältnisse: "Anscheinend herrscht noch der Winter, der Kirchenspaltungen, Verfolgungen der Glaubenden, Vernichtung der kirchlichen Versammlungsplätze und unerträgliche Gewalt in der gesamten Menschheit erzeugt.  Das Elend des Weltalters, das bis heute anhält, besonders in der 3. Welt wird nicht verschwiegen, sondern mit der Beschreibung der apokalyptischen Wehen schonungslos aufgedeckt.
Doch die Gemeinden haben ja schon jetzt in Jesus den vollmächtigen und wiederkehrenden Menschensohn erkannt und erfahren in ihrem Zusammenhalt der Kräfte der sich bald vollendenden Königsherrschaft Gottes. Die Gemeinden sind gegen den Winter dieses Äons machtvolle Symbole der Fürsorge und Solidarität Gottes mit der gesamten Menschheit und kommenden Vollendung" (Detlev Dormeyer: Wir sind schon wer (Vom grünenden Feigenbaum), 371. In: Zimmermann, 2007, 367-373).

Demgegenüber ist die Lesung und gleichzeitig Predigtgrundlage für die Gottesdienste der NAK am 2. Advent aus Mt 17, 10-13: Seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen. Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte. (LUT)

Kommentar: Die Predigtgrundlage ist einem Abschnitt entnommen, der bei Fiedler (2006) mit "Anerkenntnis der Messianität Jesu - gegen Widerspruch und Missverständnis" überschrieben ist. "Die Passion Jesu und damit verbunden seine Forderung nach (Bereitschaft zur) Kreuzesnachfolge anzunehmen, weil dies Gottes Wille sei, setzt heute wie damals ein tiefes Gottvertrauen voraus. Denn die Ostererfahrung - ganz gleich, ob wie hier vorweggenommen oder in der Gemeinschaft der an Christus Glaubenden voraus gesetzt - mindert die Anstößigkeit des Leids nicht. Vielmehr kann sie eine Perspektive der Hoffnung eröffnen, die jedoch ebenfalls allein im Glauben wahr zu nehmen ist" (ebd., 297).